Bittner 1: Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse gegen Sparmaßnahmen auf dem Rücken schwerkranker Menschen

Appell an den Staatssekretär keine Krankengeldkürzung zu lasten Schwerstkranker zuzulassen

Wien (OTS) - "Eine von Gesundheitsstaatssekretär Waneck mehrfach geforderte Kürzung des Krankengeldes von 78 auf 52 Wochen wäre zynisch, unsozial und volkswirtschaftlich gänzlich kontraproduktiv" stellte der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse Franz Bittner am Freitag in einer Aussendung fest. Eine Krankengeldkürzung trifft vor allem Menschen mit Krebserkrankungen, multipler Sklerose oder einem Polytrauma nach schwerem Unfall. Bittner: "Herr Saatssekretär Waneck, ich appelliere an ihr soziales Gewissen als Arzt, drängen sie diese Menschen nicht auch noch in eine materielle Existenzgefährdung. Ich fordere sie auf, den gesetzlichen Krankengeldanspruch von 52 auf 78 Wochen zu erhöhen."

Derzeit gewähren fünf Gebietskrankenkassen 78 Wochen Krankengeld. Der Gesetzgeber selbst sieht im ASVG nur 52 Wochen vor. Die Wiener Gebietskrankenkasse wird voraussichtlich heuer 1,57 Milliarden Schilling für Krankengeld ausgeben. Die zusätzlichen 26 Wochen kosten ungefähr 90 Millionen Schilling, also knapp 5,5 Prozent der Gesamtsumme die für die Krankenstände im Jahr 2000 ausgegeben werden muss. Die 78-Wochen-Regelung kommt etwa 1200 schwerkranken Menschen in Wien zugute. Diese Bezieher erhalten ca. 12.000,- Schilling durchschnittlich im Monat.

Hohe Treffsicherheit des Krankengeldes

90 Millionen Schilling sind sehr viel Geld, daß allerdings sehr treffsicher und zielgenau für die materielle Absicherung besonders bedürftiger Personen aufgewendet wird. Menschen, die durch Krankheit länger als 52 Wochen berufsunfähig sind, haben nachweislich eine besonders schwere Erkrankung. Es sind Krebspatienten, Patienten mit multipler Sklerose, Unfallopfer und andere Schwerkranke. Diese sind nach 52 Wochen sicher noch nicht arbeitsfähig, können aber nicht in die Arbeitslosigkeit flüchten, da die gesetzliche Kriterien dafür (arbeitswillig, arbeitsfähig und arbeitsbereit) nicht erfüllt sind. Ein im Krankenstand Befindlicher, hat eben keinen Rechtsanspruch auf Arbeitslosigkeit. "Dies alles dürfte Staatssekretär Waneck nicht beachtet haben oder nicht wissen - letzteres wäre schlimm. Wenn er es aber weiß, dann halte ich meinen Vorwurf, er denke zynisch und unsozial, aufrecht" meinte der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse Franz Bittner.

Nachweislich kein Missbrauch

Natürlich sind auch die 78 Wochen einmal zu Ende. Der Druck, eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension anzustreben, ist dann allerdings nichtmehr so stark. Es wäre auch keine finanzielle Erleichterung für den Staat, würden alle Kranken ab der 52. Woche in die Invaliditätspension gehen. Diese käme dem österreichischen Steuerzahler wesentlich teurer als die Anhebung auf gesetzliche 78 Wochen Krankengeld. Das schlechte Argument, so eine lange Krankenstandsdauer führt zu missbräuchlicher Verwendung, gilt in solchen Fällen nicht, da die Kontrolle der Kasse wie auch die der behandelnden Ärzte dies erfolgreich verhindern, wie Statistiken beweisen.

Kürzung des Krankengeldes entzieht Schwerstkranken die Existenzgrundlage

"Der wesentlichste Aspekt bei meinen Überlegungen als Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse und als Staatsbürger ist aber der der Menschlichkeit. Einem schwerkranken Menschen die Geldleistung wegzunehmen, ist gleichbedeutend mit der Absicht, ihm die wirtschaftliche Existenzgrundlage zu entziehen." sagte Bittner. "Die Kürzung des Krankengeldes würde die Betroffenen zwingen, sich um Sozialhilfe anzustellen bzw. ihren Angehörigen, wenn sie welche haben, zur Last zu fallen. Dies sollte ein Arzt, der jährlich mehrere Millionen Schilling Umsatz mit der Wiener Gebietskrankenkasse macht, bedenken. Er, der vielen Menschen durch seine medizinische Leistungen in der Vergangenheit helfen konnte, der selbst weiß, was ein Schicksalsschlag für Menschen bedeuten kann, der als Mensch und Arzt meine höchste Wertschätzung und Achtung hat, sollte auch als Staatssekretär die Menschlichkeit walten lassen" appellierte Bittner.

"Herr Staatssekretär Waneck, ich fordere sie daher auf, den gesetzlichen Krankengeldanspruch von 52 auf 78 Wochen zu erhöhen. Die betroffenen Menschen werden es ihnen danken" sagte Bittner.

(Fortsetzung)

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