"Neue Zeit" Kommentar: "Peinlich" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 14 4.2000

Graz (OTS) Wäre es nicht so ernst, dann wäre es zum Lachen: Das Drama um die EU-Sanktionen gegen unser Land nimmt im Inland mitunter den Charakter einer Komödie an, was wir den hauptdarstellenden Regierungsmitgliedern verdanken.

Da hat der Kanzler von dem Anti-Mascherl-Pickerl, mit dem seine Minister auf dem internationalem Parkett regelmäßig begrüßt werden, die Nase voll; er trennt sich von seinem stilisierten Markenzeichen und probiert's mit einer neuen Masche: Er trägt wieder Krawatte. Da werden die Reisen der Nebendarsteller, die versuchen, Europa davon zu überzeugen, dass mehr als 70 Prozent der ÖsterreicherInnen diese FPÖ nicht gewählt haben, lächerlich gemacht, indem sie diejenigen sein sollen, die die Sanktionen angezettelt haben.

Da verlangt die Regierung einen gemeinsamen Schulterschluss und trägt im selben Moment das übrige dazu bei, den letzten Rest einer Gesprächsbasis zu zerstören, indem die Opposition beschuldigt wird, eine "üble Spur des Vernaderns" über den Kontinent zu ziehen. Und da erklärt der FPÖ-Klubobmann, dass der designierte SPÖ-Chef und der außenpolitische Sprecher der SPÖ in den Europarat-Ausschüssen kläglich versagt hätten, als es um das drohende Monitoring Österreichs ging - während die Außenministerin sich ausdrücklich für das Verhalten der beiden in der selben Causa bedankt. Dass die Hauptdarsteller in diesem Stück nicht einmal das gleiche Textbuch benutzen, ist aber nicht mehr lächerlich, es ist peinlich.

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