Sitzung des NÖ Landtages

4. Fortsetzung

St.Pölten (NLK) - Als letzter Punkt folgte eine Debatte über die Beantwortung der Anfrage der Abgeordneten Marchat und Mayerhofer an Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll betreffend Verlängerung der Wiener U-Bahn in das Wiener Umland.

In seiner schriftlichen Antwort verwies der Landeshauptmann zunächst auf eine Reihe von Maßnahmen, die seit dem in der Anfrage zitierten Beschluss erfolgt sind: Ausbauvertrag für die Schnellbahnlinie S 2 Wien - Mistelbach - Laa an der Thaya, Verhandlungen über den Betrieb der Flughafenschnellbahn S 7, Erarbeitung eines Schnellbahnkonzeptes im Rahmen der PGO, PGO-Studie zur Einführung des Buskorridors Rodaun, Park-and-ride-Ausbauverträge, Fahrplanabstimmungen. Zur Verlängerung der Wiener U-Bahnen habe eine Studie der PGO einen Investitionsbedarf von mindestens 8 Milliarden Schilling je Linienverlängerung und jährliche Betriebskosten von mehr als 90 Millionen Schilling ergeben. Diesen Kosten würde - außer für eine Verlängerung der U 6 zur SCS - eine Auslastung von nur 4 bis 15 Prozent in Spitzenzeiten gegenüberstehen. Von den Gutachtern würde daher eine Attraktivierung der Badner Bahn und die Einrichtung des Cable-Liners empfohlen. Eine Tarifmodellrechnung als Vorbereitung für die Änderung der bestehenden Tarifsystematik in den Verkehrsverbünden werde derzeit durchgeführt.

Abgeordnete Mag. Brigid W e i n z i n g e r (GA) bezog sich auf eine Studie, die offenbar besage, dass sich eine Verlängerung der U-Bahn ins Wiener Umland nicht auszahle. Sie könne sich das nicht vorstellen, und wolle die Studie sehen. Die Pendler im Wiener Umland dürfe man nicht ihrem Schicksal überlassen. Der geplante Cable-Liner in der Shopping-City habe sich sowieso als Flop erwiesen. Es wäre leichter, die U-Bahn weiterzuführen. Zudem wäre ein Schnellbahnring um Wien notwendig und auch leicht durchzuführen. Beunruhigt zeigte sie sich über die ÖBB-Pläne: Demnach sollen 1.700 Kilometer Regionalbahnen stillgelegt werden. Es könne nicht das einzige Ziel sein, die Strecke Wien-München in drei Stunden zurückzulegen.

Abgeordneter Hannes W e n i n g e r (SP) meinte, Wien und das Wiener Umland seien schon sehr zusammengewachsen. Vieles beim Verkehrsaufkommen im Süden von Wien sei hausgemacht. So wurde kürzlich im Bezirk Mödling mit 110.000 Einwohnern das 80.000. Kraftfahrzeug angemeldet. Gründe für die enorme Mobilität seien zum einen das hohe Einkommensniveau und der hohe Pendleraustausch, zum anderen der stark zunehmende Ost-West-Transitverkehr. Ziel müsse es deshalb sein, die U-Bahn auszubauen, die Badner Bahn direkt an das U-Bahnnetz anzubinden und gleichzeitig auch die Badner Bahn kreuzungsfrei zu machen. So begrüßenswert auch der Cable-Liner auf dem Areal der SCS sei, es handle sich hier um eine Privatinitiative auf einem Privatgelände zur Lösung des internen Verkehrsproblems auf dem SCS-Areal.

Abgeordneter Hans H i n t n e r (VP) hält die U-Bahn für ein sehr attraktives Verkehrsmittel, das Preis-Leistungsverhältnis würde aber nicht stimmen. So würden pro Linie pro Verlängerung Errichtungskosten von 8 Milliarden Schilling entstehen, die je zur Hälfte von den Bundesländern Wien und Niederösterreich getragen werden müssten. Dazu kämen 90 Millionen Schilling Betriebskosten pro Jahr. Im Raum Mödling wäre der Ausbau etwas billiger. Zu den Spitzenverkehrszeiten würden laut einer Untersuchung jedoch nur 15 Prozent bei einem Zehn-Minuten-Takt ausgelastet sein. Interessant sei auch, dass zur Nähe der Bundeshauptstadt die Akzeptanz der öffentlichen Verkehrsmittel abnehme. Zudem können man mit dem Ausbau der Schnellbahn die gleichen Effekte erzielen wie mit der U-Bahn. Dazu sollten Ergänzungsmaßnahmen - Stichwort Linienverbindung -forciert werden. Das Nein zum U-Bahn-Ausbau heiße aber nicht, Alternativen nicht zu forcieren.

Abgeordneter Dkfm. Edwin R a m b o s s e k (FP) dokumentierte die überaus große Belastung der Südautobahn: Im August 1996 wurden bereits 66.000 Autos täglich gezählt, die nach Wien fuhren. Im April 1999 stellten sowohl der Abgeordnete Hintner als Weninger einen Resolutionsantrag, die U 6 zu verlängern. Dieser Antrag wurde vom Landtag einstimmig beschlossen. Pröll legte seiner Anfragebeantwortung vom Februar eine bereits drei Jahre alte Studie zugrunde, obwohl eine neue Verkehrszählung vorliegt, die eine Belastung der A 2 bei Vösendorf von 160.000 Pkw pro Tag, bei Mödling von 116.700 Pkw und an Spitzentagen von 18.000 Lkw pro Tag ausweist. Vor kurzem "feierte" der Bezirk Mödling das fragwürdige Jubiläum der 80.000. Kfz-Anmeldung. Die beabsichtigte Taktverbesserung der Badner Bahn sei löblich, es sei aber fraglich, wie sie in Wien funktionieren werde, wo auf dem gleichen Gleis auch Straßenbahnen unterwegs sind. Er kritisierte, dass nach dem Antrag im Landtag vom April 1999 keine aktuelle Untersuchung in Auftrag gegeben wurde. Die FP würden die Anfragebeantwortung Prölls nicht zur Kenntnis nehmen.

Die Anfragebeantwortung wurde mehrheitlich (ohne FP) zur Kenntnis genommen.

Schluss der Sitzung!

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