"Neue Zeit" Kommentar: "Urlaubsland?" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 8. 4.2000

Graz (OTS) - Der frühere Bundeskanzler Bruno Kreisky wurde einmal gefragt, warum er seinen Urlaub auf Mallorca verbringe. Seine offene Antwort: "Weil ich mir Kärnten nicht leisten kann". Die Umsatzsteuer-Pläne von Finanzminister Karl-Heinz Grasser - übrigens ein Kärntner - könnte Kreiskys damalige Einschätzung wieder aktuell werden lassen. Dieses Flickwerk als Ersatz für die Getränkesteuer ist höchst unintelligent, weil es praktisch allen schadet. Den Gemeinden, die immer noch ein Budgetloch von 1,2 Milliarden Schilling zu stopfen hätten. Dem Tourismus, der entweder eine steuerliche Mehrbelastung von etwa 3 Milliarden Schilling zu "schlucken" hätte, oder teuerer und damit weniger wettbewerbsfähig werden müsste. Und schließlich den Konsumenten, die für eine Woche Urlaub in Österreich pro Person überschlagsmäßig einen Tausender mehr zu berappen hätten. Nun ist es ein geflügeltes Wort von Finanzministern, dass ein Budget dann gerecht sei, wenn alle Ressorts gleichmäßig jammerten. Das mag für einen Bundeshaushalt gelten, mit steuerlichen Maßnahmen verhält es sich doch etwas anders. Es gehört schon sehr viel Fantasie dazu, ein Steuerpaket zu erfinden, das den Nutznießern, also den Gemeinden, nur wenig weiterhilft, dafür aber sowohl die Wirtschaft als auch die Konsumenten hart trifft. Einen Erfolg könnte Grasser mit seiner Idee immerhin haben: Man wird nicht mehr wissen, ob ausländische Gäste der Regierung oder der Preise wegen das Urlaubsland Österreich meiden.

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