Wenn Größe zur Gefahr wird

Microsoft wird gestutzt. Und wie ist das bei uns?
(Von Gerald Mandlbauer)

Noch ist nicht klar, zu welcher Konsequenz der Softwarehersteller Microsoft wegen Missbrauch seiner Marktmacht verdonnert wird. Kritiker der Gates-Company verlangen die Aufspaltung des Konzerns. Es wäre nicht zum ersten Mal in der US-Geschichte, dass ein solch drastischer Schritt vollzogen wird: Standard Oil, Kerngesellschaft des Magnaten Rockefeller, wurde Anfang des letzten Jahrhunderts zerteilt, Jahrzehnte später der Telefongigant AT & T.
Das Microsoft-Urteil fällt zur rechten Zeit, in einer Phase Aufsehen erregender Firmenzusammenschlüsse. Kritiker sehen das Ende der liberalen Marktwirtschaft kommen, weil als Folge dieser Fusionswelle nur wenige Firmen-Moloche überleben würden.
Das Urteil gegen Microsoft jedoch zeigt, dass Marktmacht und deren Missbrauch durch strenge Kartellgerichtsbarkeit Einhalt geboten werden kann.
Zudem sprechen neue Erkenntnisse der Wirtschaftswissenschaften gegen das Aufkommen frischer Monopole. Moderne Erfahrung lehrt, dass klassische Oligopole Ð wenigen Anbietern steht eine Masse von Kunden gegenüber Ð sich durch besonderes agressives Marktverhalten auszeichnen. Es genüge, wenn in einer Branche drei bis fünf übermächtige Konzerne aufeinandertreffen, um den Wettbewerb anzuheizen. Wenn sich Billa, Spar und Hofer bekriegen, ist das für den Konsumenten günstiger, als wenn dies Hunderte Greißler an deren Stelle täten.
Unabhängig davon wird sich das Auseinanderklaffen der Wirtschaft fortsetzen. Wenige Firmen werden rasant wachsen, viele bleiben zurück. Dies ist mit einem Grundgesetz der neuen Wissensgesellschaft zu erklären. Firmen, die bewusst in ihr geistiges Kapital (ihre Mitarbeiter) investieren, eilen ihrer Konkurrenz mit Siebenmeilenstiefeln voraus.
Die Produktivitätsfortschritte dieser wissensgetriebenen Unternehmen sind so groß, dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt alleine durch Marktkräfte unangreifbar werden. Microsoft ist ein Beispiel dafür. Deshalb muss die Frage gestellt werden, ab wann Erfolg von außen durch Eingriff gestoppt werden muss, weil er zur Gefahr für die Allgemeinheit zu werden droht.
Die USA zeigen, dass sie diese Bedrohung erkennen und dass sie sich nicht scheuen, auch nationale Heiligtümer anzugreifen. Ähnlich unbeirrt verfolgen auf EU-Ebene Wettbewerbshüter Aushebelung des Wettbewerbes. Österreichs Kartell-Behörden hingegen haben Zusammenballung von Macht bisher toleriert. Sie werden es wohl weitertun.

Zu prüfende Gruppierungen gäbe es dabei sonder Zahl: Die Bauwirtschaft. Den Medienmarkt. Doch die Politik, die den Konflikt mit Krokuwaz und dem mit diesem in Harmonie lebenden ORF scheut, rührt nicht an diesen Koloss. Zwar beruft sich der ORF bei der Beschaffung seiner Werbeeinnahmen auf den freien Markt, zugleich jedoch hebt er weiter Zwangsgebühren ein. Diese Bevorteilung erlaubt es ihm, schneller, mit mehr Geld in neuen Medien zu investieren. Würde in Österreich mit gleichem Maß wie anderswo gemessen, so müssten diese Unternehmen Macht und Märkte aufgeben.

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