Änderung der AMS-Zugangsrichtlinie für Vorlehre vordringlich

Vorlehre als Qualifizierungsinstrument für lernschwächere Jugendliche soll nicht blockiert werden

Wien (PWK) - Nach neuesten Erhebungen der Wirtschaftskammer Österreich stehen per 31.3.2000 nur 90 Jugendliche in einem Vorlehrverhältnis. Regionaler Spitzenreiter ist Kärnten mit 33 Verträgen. "Es zeigt sich hier ganz deutlich, dass dort, wo eine gute Kooperation zwischen AMS und Wirtschaftskammerorganisation hergestellt werden konnte, wie etwa in Kärnten, das Modell durchaus Chancen bietet und akzeptiert wird", stellt Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, anlässlich der aktuellen Zahlen fest.

"Hingegen kommen in jenen Bundesländern wie etwa Wien, wo man ohne Übertreibung von einer ideologisch bedingten Blockade durch das regionale AMS sprechen kann, eben auch keine Vorlehrverträge zu Stande. Eine solche Politik auf dem Rücken der schwächsten Jugendlichen ist vehement abzulehnen", betont Piskaty. Die Vorlehre wurde als Qualifizierungsinstrument für schwächere Jugendliche geschaffen, die dadurch entweder die Chance erhalten, später einen Lehrvertrag abzuschließen oder mit einer Grundqualifizierung ins Arbeitsleben einzutreten.

"Von Anfang an waren die Gewerkschaften gegen dieses Modell und es konnte eine Zustimmung nur mit Mühe und um den Preis einer extrem restriktiven Zugangsmöglichkeit zur Vorlehre erreicht werden", bedauert Piskaty die derzeitige Situation. Zahlreiche Jugendliche, die "gerade noch" einen Hauptschulabschluss erreicht haben, können einen Vorlehrvertrag nicht abschließen, weil die AMS-Zugangsrichtlinie dies verbietet.

"Die Wirtschaft fordert daher von der morgigen Sitzung des zuständigen AMS-Ausschusses eine Änderung dieser Zugangsrichtlinie in die Richtung, dass jeder Jugendliche, der einmal während der Pflichtschulzeit repetiert hat oder aber einen Hauptschulabschluss mit einer Benotung in der dritten Leistungsgruppe aufweist, die Möglichkeit haben soll, einen Vorlehrvertrag abzuschließen", so Piskaty. "Schließlich geht es ja darum, neue Chancen zu eröffnen. Wir können nicht immer von Flexibilität und Eingehen auf die individuelle Situation sprechen, dann aber zentralistische, unflexible und bürokratische Lösungen in die Welt setzen, die keineswegs den Bedürfnissen der Betroffenen entsprechen."

Mit einer offenen, flexiblen Vorlehre könnten zahlreiche Jugendliche, die derzeit von den teuren und wenig effizienten Maßnahmen des sogenannten Auffangnetzes erfasst werden, zielgerechter und preiswerter qualifiziert werden. "Die Vorlehre muss daher eine wichtige Rolle bei der Konzeption von künftigen Maßnahmen für Jugendliche spielen, die im ersten Anlauf keinen Lehrplatz gefunden haben", fordert Piskaty.

In zwei Bundesländern gibt es eigene Lösungen, Vorarlberg mit einem gut funktionierenden Anlehremodell, das 48 Jugendliche umfasst und Oberösterreich mit der speziellen Ausbildung zum "qualifizierten Helfer" für 33 Jugendliche. (pt)

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