Seeadler und Co. wollen unter Naturschutzrecht WWF legt Stellungnahme zum Entwurf des NÖ Naturschutzgesetzes vor

St. Pölten (OTS) - Mit Unterstützung von See- und
Steinadler überreichte heute der WWF (World Wide Fund For
Nature) seine Stellungnahme zum Entwurf des NÖ
Naturschutzgesetzes an LH-Stellvertreter und Naturschutz-
Landesrat Dr. Hannes Bauer. Wichtigste Forderung: Die
Greifvögel müssen ins Naturschutzrecht aufgenommen werden und dürfen nicht mehr allein dem Jagdgesetz unterstellt bleiben.
Das Aneignungsrecht - d.h. Jäger haben das alleinige Recht
sich tote Tiere anzueignen - und die Bejagung der Greife ohne direkten Einfluss des Naturschutzes müssen ein Ende haben.
"Der neue Entwurf beinhaltet viele Verbesserungen gegenüber
dem Gesetz von 1985. Es ist aber unbegreiflich, warum
Privilegien der Jägerschaft - gerade im Lichte der enormen aktuellen Vergiftungswelle - wie z.B. das Aneignungsrecht
weiterhin bestehen bleiben sollen. Greifvögel und andere
seltene Arten gehören ins Naturschutzgesetz und nicht ins Jagdgesetz," fordert DI Ulrich Eichelmann, WWF
Kampagnenleiter.

Der WWF begrüßt die Initiative zur Erneuerung des NÖ Naturschutzgesetzes von Naturschutz-Landesrat Dr. Bauer. Nach
mehr als 15 Jahren und nach vielen Anläufen wird es auch
höchste Zeit. Das derzeit noch bestehende Gesetz entspricht
weder modernen ökologischen Anforderungen noch dem
europäischen Recht. Der vorliegende Entwurf weist in vielen Bereichen deutliche Verbesserungen auf: etwa durch die
Einführung von Europaschutzgebieten oder dem Wegfall der
bisherigen generellen Ausnahme für Flurbereinigungen. "Damit
ist dem Freibrief für die Natur zerstörenden Kommassierungen
ein Riegel vorgeschoben. Ein Hoffnungsschimmer für den
Raubwürger, einen der seltensten Singvögel Österreichs, dessen Hauptgefährdung von den Flurbereinigungen im Waldviertel
ausgehen," so Eichelmann.

Greifvögel ins Naturschutzrecht

Kritik übt der WWF vor allem daran, dass nach wie vor die Greifvögel und andere selten Arten nicht vom Naturschutzrecht geschützt werden sollen. Tag- und Nachtgreife (z.B. Eulen) unterliegen demnach wie bisher ausschließlich dem Jagdgesetz. Dadurch können Greifvögel gejagt werden, ohne dass der
amtliche Naturschutz berücksichtigt werden muss. Im Jahr 1998 wurden in Niederösterreich 294 Bussarde und 3 Rohrweihen
geschossen sowie 75 Habichte lebend gefangen und das alles
ohne Bewilligung der Naturschutzbehörde. "Seeadler, Steinadler
und Co. brauchen den Schutz des Naturschutzgesetzes. Es ist
absurd, sie ausschließlich den Jägern zu überlassen," fordert Eichelmann.

Ein wichtiger Bereich ist dabei die Beibehaltung des
sogenannten Aneignungsrechts. Dieses im Jagdgesetz definierte
Recht besagt, dass ein totes Tier ausschließlich dem Jäger gehört, in dessen Revier es gefunden wurde. Er hat das
alleinige Recht sich das Tier anzueignen. Gerade im Licht der Giftproblematik, bei der bisher 3 Seeadler und 20 Bussarde
entdeckt wurden, wird die Fragwürdigkeit dieser Regelung
deutlich: wird z.B. ein toter Adler gefunden, muss der
Jagdleiter den toten Vogel nach bestehendem Recht nicht einmal herausgeben. In der Vergangenheit ist so etwas mehrere Male passiert. "Es absolut unverständlich, warum diese Privilegien
der Jägerschaft vom Naturschutz akzeptiert werden sollen. Offensichtlich ein Kniefall vor der Jagd-Lobby," ist
Eichelmann bestürzt, "Wir hoffen, dass Landesrat Bauer hier
Partei für die Arten ergreift und dieses Aneignungsrecht
beendet."

Weitere Kritikpunkte am Entwurf betreffen:
+ die fehlende Implementierung der Roten Listen in das Gesetz

+ der unzureichende Feuchtgebiets- und Trockenrasenschutz

+ fehlende Arten- und Lebensraumprogramme für seltene bzw.
bereits ausgestorbene Arten

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