Biogasanlage für Wien?!

Aktuelle Studie über vorhandene Abfallmengen

Wien, (OTS) Der Arbeitskreis "Energieeffizienz" des Ökosozialen Forums Wien befasst sich seit einigen Monaten mit der Frage, ob eine Biogasanlage in Wien sinnvoll wäre. Biogasanlagen dienen dazu, biogene Abfälle anaerob- biologisch abzubauen und
das dabei entstehende Biogas energetisch zu nutzen. Das Umweltbundesamt hat im Auftrag des Ökosozialen Forums Wien und in Zusammenarbeit mit der Wr. Umweltanwaltschaft in einer Studie nun jene Mengen biogener Abfälle aus Gewerbe und Lebensmittelindustrie in Wien erhoben, die für die Behandlung in einer Biogasanlage geeignet wären. Im Gegensatz zu bisherigen diesbezüglichen Studien stand nicht das theoretisch verfügbare Potential, sondern vielmehr die derzeit realistisch verfügbare Abfallmenge im Mittelpunkt der Recherche. In der Studie wird nicht nur erstmals aufgezeigt,
welche Mengen biogener Abfälle derzeit bereits tatsächlich getrennt gesammelt werden, sondern auch auf die bestehenden Schwierigkeiten und die daher notwendigen weiteren Schritte eingegangen. Die ersten Ergebnisse: derzeit kommen etwa 28.000 Tonnen biogener Abfälle jährlich für eine Biogasanlage in Frage.

Die Ergebnisse der Studie fließen direkt in die derzeit laufende "Strategische Umweltprüfung (SUP) für die Wiener Abfallwirtschaft" ein, die im Sommer 1999 von der Stadt Wien auf Initiative der Wiener Umweltanwaltschaft- gemeinsam mit den Magistratsabteilungen 48 und 22 - gestartet wurde.

In dieser SUP werden die Umweltauswirkungen der verschiedenen Maßnahmen der Abfallvermeidung/verwertung und sonstigen Behandlung von externen wissenschaftlichen ExpertInnen, den VertreterInnen
der "qualifizierten Öffentlichkeit" und der Wiener
Stadtverwaltung gemeinsam abgeschätzt. Ziel der SUP ist es, bis kommenden Herbst den besten Weg für die künftige Abfallwirtschaft Wiens - bestehend aus einem Mix verschiedener Maßnahmen- zu finden und den politischen EntscheidungsträgerInnen zu empfehlen.
Im Rahmen dieser SUP wird auch die Errichtung einer Biogasanlage
als eine mögliche Maßnahme geprüft. Die vorliegende Studie konnte dazu wichtige Vorarbeiten leisten.****

Wiens Umweltanwältin Karin Büchl-Krammerstätter dazu:
"Besonders freut mich, dass wir mit dieser Studie - ganz im Sinne eines vernetzten Denkens- auch wichtige Synergien zwischen den Bereichen "Energieversorgung" und "Abfallentsorgung" nutzen und einen wichtigen Beitrag für die "SUP-Wiener Abfallwirtschaft" leisten konnten."

Folgende Bereiche wurden im Rahmen der Studie betrachtet:
Lebensmittelindustrie, Lebensmittelhandel,
Krankenanstaltenverbund, Gastronomie, Galopp- und Trabrennverband, Tiergarten Schönbrunn und private Entsorger.

Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

o Ca. 28.000 Tonnen/Jahr aus den oben genannten Bereichen wären

als Input für eine Biogasanlage geeignet. Die getrennt gesammelten biogenen Abfälle werden derzeit vor allem als "Sautrank" verwertet, sowie der Kompostierung, der Verfütterung und Tierkörperverwertungsanlagen zugeführt.
o Erhebliche Mengen biogener Abfälle v.a. im Bereich der

Gastronomie und des Lebensmittelhandels werden zurzeit noch
nicht getrennt gesammelt und über den Restmüll entsorgt.
Hier bedarf es jedenfalls weiterführender Recherchen -einerseits hinsichtlich der Größe dieser Mengen, andererseits hinsichtlich der Frage, wo eine getrennte Sammlung - unter Einhaltung der hygienischen Anforderungen- ökologisch sinnvoll und auch ökonomisch nicht gänzlich unverhältnismäßig wäre.
o Die Datenlage über Mengen und Verbleib der biogenen Abfälle ist

teilweise lückenhaft; die im § 6 Wr. AWG festgelegte Meldepflicht für Abfallsammler und -behandler erweist sich in
der Praxis als nicht sehr wirkungsvoll. Dies liegt zum einen daran, dass diese Bestimmung aufgrund der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung lediglich für den Wiener Bereich gilt; liefert jemand beispielsweise an einen niederösterreichischen Abfallsammler, bleiben diese Mengen unerfasst. Zum anderen sind die Betroffenen auch offensichtlich zu wenig über Pflichten informiert.

Folgende weitere Schritte werden in der Studie als notwendig angeführt und sind auch bereits konkret geplant:

o Konkretere Erhebung jener Mengen biogener Abfälle, vor allem aus

der Gastronomie und dem Lebensmittelhandel, die derzeit noch
nicht getrennt gesammelt und entsorgt werden
o Darstellung der derzeitigen Logistiksysteme zur getrennten

Sammlung biogener Abfälle, vor allem in Österreich und Deutschland, sowie deren Möglichkeiten, Grenzen und Kosten und darauf aufbauend
o Beurteilung der ökologischen Sinnhaftigkeit und hygienischen

Machbarkeit (das Wr. AWG geht dabei davon aus, dass die
allenfalls entstehenden Mehrkosten nicht außerhalb jeden Verhältnisses stehen dürften) einer forcierten getrennten Sammlung und Verwertung in einer Biogasanlage.

Dipl. Ing. Isabella Kossina, Umweltbundesamt: "Den Vorteil einer Biogasanlage sehe ich nicht nur in der Möglichkeit der Nutzung der entstehenden Energie und des Endproduktes, sondern vor allem auch in der Entsorgungssicherheit und unter der
Voraussetzung einer umweltgerechten Erfassung der entstehenden Emissionen nach dem Stand der Technik. Uns allen muss aber klar sein, dass durch eine Biogasanlage nur ein kleiner Bereich der Bewältigung der steigenden Wr. Abfallmengen erfasst würde."

Univ. Prof. Dr. Alfred Ebenbauer, Vorsitzender des
Ökosozialen Forums Wien: "Energie ist der Motor unserer Gesellschaft. Die Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch sollte oberste Priorität sein. Mit dem Arbeitskreis "Energieeffizienz" verfügt das Ökosoziale Forum Wien über eine Plattform, wo konkrete Umsetzungpotentiale zur Ressourcenschonung erarbeitet werden. Die vorliegende Studie ist
ein erstes Ergebnis." (Schluss) wua

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