"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Wen Wien wählt" (von Günther Schröder)

Ausgabe vom 3. 4. 2000

Innsbruck (OTS) - In einer Umstellungsphase sei ihre Partei, gab am Sonntag auch Vizekanzlerin Riess-Passer zu, die am 1. Mai zumindest formell den Vorsitz der FPÖ übernehmen wird. Die Freiheitlichen haben tatsächlich Probleme, den Umstieg von einer radikalen Oppositions- zu einer Regierungspartei zu schaffen.

Die FPÖ ist nicht leichten Herzens in die Regierung gegangen, sie hat - auf Druck Haiders - in den Koalitionsverhandlungen weitgehende Zugeständnisse gemacht, nicht zuletzt um der Auslandskritik zu begegnen. Doch nicht nur das hat nicht geklappt, viele Funktionäre sind jetzt etwa bei der Pensionsreform im Zwiespalt. Plötzlich findet sich die FPÖ in der Rolle der SPÖ, die jahrelang nötige Reformen verhinderte. Diesmal waren es die Freiheitlichen, die sich gegen so wichtige Expertenvorschläge, wie den Sanierungsbeitrag der jetzigen Pensionisten in Form niedrigerer Pensionserhöhungen, gestemmt hat.

Dazu kommen Umfragen, die die FPÖ wieder auf dem 3. Platz sehen. Auch die jüngsten Wahlgänge verliefen für die siegesgewohnte FPÖ nicht berauschend. Das mag noch kein Trend sein, verschlechtert aber die Stimmung. Die Nerven haben deswegen zu flattern begonnen: Haider bläst in alter Manier gegen die Arbeiterkammern, Westenthaler erklärt seine Partei zur alleinigen Arbeitnehmerpartei und der Vorarlberger Hubert Gorbach wirft gar der ÖVP vor, sich an den Freiheitlichen abzuputzen.

Die beiden nächsten Wahlgänge - im Herbst in der Steiermark, 2001 dann in Wien - sind entscheidend: Verliert die FPÖ, könnte die schwarz-blaue Zusammenarbeit ernsthaft auf dem Spiel stehen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion, Tel.: 0512/5354 DW 601¶

Tiroler Tageszeitung,

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS