"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vermächtnis" (von Helena Wallner)

Ausgabe vom 2.4.2000

Graz (OTS) - Für den gelernten Österreicher gehört es dazu, dass am Ende des mühsamen Lebensweges eine schöne Leich steht. Die arme Seele lugt dann gerührt hinter Wolke sieben auf das große Ereignis zu ebener Erd.

Der Gipfel einer schönen Leich ist ein Staatsbegräbnis, für das es erstaunlicherweise keine festgeschriebenen Regeln, sondern nur Eckdaten gibt: Aufbahrung in der Säulenhalle des Parlaments und ein Trauerkondukt, der über Teile der Ringstraße und den Heldenplatz zieht.

Wem, wenn nicht Altbundespräsident Rudolf Kirchschläger, hätte ein Staatsbegräbnis zur Ehre gereicht? Aber er lehnte es ausdrücklich ab.

Wer bisher die Persönlichkeit dieses bescheidenen Staatsmannes nicht begriffen hat, tut es vielleicht jetzt.

All jene, die um seine Glaubwürdigkeit und Grundsatztreue wussten, die ihn gerade deshalb verehrten, all jene hätten von ihm nichts anderes erwartet: Anstatt Kränze Spenden für karitative Zwecke, Volksgottesdienst anstatt Requiem und anstatt staatstragender Reden tröstliche Priesterworte.

Dieses Vermächtnis sollte anderen Auftrag sein. ****

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