WirtschaftsBlatt über die AK Arbeiterkammer in der Zwickmühle von Peter Muzik

Kommentar 01.04.00

Wien (OTS) - Im Moment ist in der Arbeiterkammer volle Entrüstung angesagt: Seit ihre roten Spitzenleute von blauer Seite wieder einmal als schamlose Privilegienritter attackiert werden, wird massiv zurückgeschlagen. Die FPÖ wolle die AK "mundtot machen", heisst es, und gleich auch die "Sozialpartnerschaft zerschlagen"; die "ehrenrührigen Beschimpfungen" seien allerdings ein "durchsichtiges Ablenkungsmanöver"; die "Zerstörungspolitik gegenüber den Arbeitnehmern" habe zweifellos damit zu tun, dass die Freiheitlichen "mit der Regierungsverantwortung nicht zu Rande" kämen. Die brutale Rhetorik auf beiden Seiten, die - auch das sollte einmal angemerkt werden - vielen Bürgern bereits immens auf die Nerven geht -, lässt gleich mehrere Kuriosa untergehen, die sich im Vorfeld der AK-Wahlen abspielen. Zum einen: Dass die FPÖ, die sich ja als Repräsentantin der Kleinen und Schwachen zu feiern pflegt, justament die Arbeiterkammer prügelt, kann eigentlich bloss ein Gag sein, der zwar gut zum 1. April passt. Aber die derzeit recht bescheidene Position der Freiheitlichen Arbeitnehmer (FA) innerhalb der AK wird mit einer solchen Strategie nicht unbedingt verbessert. Zum zweiten: Die Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter wiederum, die mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg überall klar dominiert, darf zwar optimistisch sein, weiterhin klare Nummer eins zu bleiben - und trotzdem hat sie offenbar die Nerven verloren; einige FSG-Repräsentanten kündigen der von Christoph Leitl gedopten - und hoffentlich bald reformierten - Wirtschaftskammer schon unmissverständlich einen Kampf auf Biegen und Brechen an. Wenn die Arbeiterkammer nicht in einer Zwickmühle landen möchte, wäre es allerdings etwas cleverer, sich eine erstarkte Sozialpartnerschaft zu wünschen. Drittens: Die Häuptlinge des schwarzen ÖAAB schliesslich, bislang nicht gerade vom Erfolg verwöhnt, setzen plötzlich -motiviert vom Innsbrucker AK-Wahlsieger Dinkhauser - auf totalen Optimismus. So etwa will der burgenländische ÖAAB-Spitzenmann Klikovits die absolute Mehrheit der Roten brechen und selber Kammerboss werden. Das wird zwar Wunschdenken bleiben, aber es geht ohnedies um etwas anderes: In Zukunft sollte die AK - wie immer die Wahlen ausgehen -mehr sein als eine Aussenstelle der SPÖ. Nämlich eine starke Interessensvertretung der Arbeitnehmer. (Schluss) PM

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