"Neues Volksblatt"-Kommentar: "Nachhaltig" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 31. 3. 2000

Linz (OTS) - Alt-Bundespräsident Rudolf Kirchschläger war in vieler Hinsicht ein bemerkenswerter Österreicher (siehe Seite 13). Sein Tod sollte Anlass sein, die neue Bedeutung, die er seinem Amt verliehen hat, in Erinnerung zu rufen. Am Beginn seiner Karriere stand Bruno Kreisky, der den bekennenden Katholiken Kirchschläger einlud, ein "Stück des Weges" mit ihm zu gehen. Die Absicht des SPÖ-Vorsitzenden war klar: Er setzte mit Kirchschläger ein Signal an die christlichen Wähler für die weltanschauliche Öffnung der Partei. Nur war Rudolf Kirchschläger ein Mann, der sich auch von einem sozialistischen Sonnenkönig nicht einfach vereinnahmen ließ. Er blieb auch als Mitglied einer SPÖ-Alleinregierung seiner Gesinnung treu und er war es, der rund um den AKH-Skandal im roten Wien aufrief, die Sümpfe der Korruption trockenzulegen. Der vordergründige Versuch Kreiskys, mit Kirchschläger bei der christlichen Wählerschaft zu punkten, erwies sich für Österreich nachhaltig als Glücksfall. Kirchschläger war der erste Bundespräsident, der keine Parteikarriere hinter sich hatte, der ungebunden und überparteilich, aber grundsatztreu agierte. Wann immer spätere Bundespräsidenten ihr Amt unabhängig wahrzunehmen vorgaben, sie beriefen sich zu Recht auf Rudolf Kirchschläger.

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