Papierindustrie zerreißt Umsatz-Schallmauer von 40 Mrd Schilling

Papierpreise werden heuer steigen

Wien(PWK) Die Papierindustrie hat 1999 die Umsatz-Schallmauer von 40 Mrd Schilling buchstäblich in der Luft zerrissen. Nach einem schwachen ersten Halbjahr hat die Branche im zweiten Halbjahr mächtig aufgeholt und den Umsatz um 3,4 Prozent auf 41,2 Mrd Schilling gesteigert. "Dank der guten Nachfrage konnten wir nicht nur um 130.000 Tonnen mehr produzieren, sondern auch unsere Lagerbestände um 145.000 Tonnen abbauen", berichtete Robert Launsky-Tieffenthal, Präsident des Fachverbandes der Papierindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich, bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes.

Entsprechend der gestiegenen Papier-, Faltschachtelkarton- und Pappeproduktion nahm auch der Verbrauch an Faserstoffen zu. Einem langjährigen Trend folgend, geschah dies bei Altpapier stärker als bei Zellstoff. Mittlerweile stammt ungefähr die Hälfte aller eingesetzten Fasern aus Altpapier, sodass unter Berücksichtigung von Füllstoffen die Altpapiereinsatzquote bei 43,1 Prozent lag. Die Rücklaufquote des Altpapiers erreichte mit 72,4 Prozent einen neuen europaweiten Spitzenwert. Die Zellstoff- und Altpapierpreise stiegen über das gesamte Jahr 1999.

Für heuer erwartet die Papierindustrie eine weiterhin positive Entwicklung, nachdem der Schwung des Vorjahresendspurts über die Jahreswende mitgenommen werden konnte. "Wir rechnen im In- und Ausland mit einer intensiven Nachfrage nach Papier, was zu steigenden Mengen und Preisen führen wird", so Launsky-Tieffenthal. Auf der Kostenseite könnte aber vor allem die Entwicklung der Preise für Altpapier, Öl und Gas dämpfend wirken.

"Wir sind bei den Papierpreisen auf dem Niveau von 1992. Die explosive Preisentwicklung beim Altpapier zwingt uns zu Preiserhöhungen", erklärte Veit Sorger, Generaldirektor der Frantschach AG. So dürften beispielsweise die Preise bei gestrichenem Papier bereits ab April steigen. Zeitungspapier wird jedoch nicht teurer werden. Erfreut zeigte sich Sorger über den neuen Stellenwert, den der Rohstoff Holz in Österreich bekommen hat. Mit einem Anteil von 48,5 Prozent am gesamten Holzverbrauch wird bereits fast die Hälfte durch Sägenebenprodukte abgedeckt. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 41 Prozent.

Profitieren konnte die Branche von den ersten zaghaften Schritten zur Liberalisierung des Strommarktes "Das Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG) mit seinen begleitenden Verordnungen hat gegriffen", sagte Heinz Kessler, Obmann der Bundessektion Industrie und Generaldirektor der Nettingsdorfer Papierfabrik AG. Die Stromkosten konnten im statistischen Durchschnitt um 40 Prozent verringert werden. "Dies ist ein entscheidender Schritt hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union, denn die österreichische Papierindustrie steht in direkter Konkurrenz insbesondere mit Unternehmen aus Skandinavien, wo die Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes schon lange etabliert ist", so Kessler. Als nächsten wichtigen Schritt müsse man nun zügig die Liberalisierung des Gasmarktes vorantreiben. Als "guten und zielführenden Kompromiss" bezeichnete Kessler dabei einen Vorschlag, den Gasmarkt ab August 2000 für Kunden mit einem Jahresverbrauch von über 25 Millionen Kubikmeter zu liberalisieren und ihn dann ab 2002 vollständig zu öffnen.

Eine klare Absage erteilte Kessler hingegen allen neuen Energiesteuern. So würde z.B. die geplante Verdoppelung der Elektrizitätsabgabe dank des Systems "Zuerst zahlen, dann rückerstatten" die Papierindustrie mit rund 20 Mio Schilling an Zinsen belasten. Weiters fürchtet die Branche eine Aufhebung der Plafondierung bei der Energiesteuer durch den Europäischen Gerichtshof. Dies würde die Papierindustrie nochmals mit 1 Mrd Schilling belasten und alle positiven Effekte durch die Liberalisierung zunichte machen. Auch die Einführung einer zusätzlichen CO2-Steuer wird von der Papierindustrie strikt abgelehnt. "Wir sind am Ende der Möglichkeiten, CO2 einzusparen. Beim Aussstoß sind keine Verbesserungen mehr möglich", stellte Kessler fest. In den letzten zehn Jahren hat die Papierindustrie rund 19 Mrd Schilling in den Umweltschutz investiert und ist damit nicht nur Spitzenreiter in Europa, sondern auch am letzten Stand der Technik. (MH)

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