EU-Staaten schrauben Investitionen in ihre Wassernetze zurück

Wien (OTS) - Vollständige Sanierung der Wasser- und Abwassersysteme in den EU-Beitrittskandidaten ist nicht zu finanzieren - Internationaler Kongress Water 2000 bei der Messe Wien =

Die EU-Staaten haben in ihre Wasser-Infrastruktur in
den vergangenen Jahren jährlich 15 bis 19 Mrd. Euro investiert, davon 4 bis 6 Mrd. Euro in die Bereitstellung sowie in Verteilsysteme und 11 bis 13 Mrd. Euro in die Abwasserentsorgung. Der Gesamtaufwand wird in den nächsten Jahren auf 13 bis 17 Mrd. Euro sinken. Diese Zahlen nannte Eckart Tronnier von der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg im Rahmen des von der Messe Wien veranstalteten Kongresses Water 2000 am Donnerstag.

Obwohl sich die Tätigkeit der EIB auf die EU-Mitglieder fokussiere, unterstütze die Bank auch die Kooperationspolitik der EU mit anderen Staaten, hauptsächlich mit jenen in Mittel- und Osteuropa. Dort befänden sich, so Tronnier, mit Ausnahme Sloweniens die Wasserversorgungssysteme in einem schlechteren Zustand als in den weniger entwickelten EU-Mitgliedsländern. Zwar seien 80 Prozent der Bevölkerung an öffentliche Wasserleitungen und 63 Prozent an Kanalisationssysteme angeschlossen, aber nur 39 Prozent des Abwassers werde in irgendeiner Form behandelt. Zudem entspreche weder die Qualität der Trinkwassers noch jene des behandelten Abwassers den EU-Standards.

Um die Wasserwirtschaft der EU-Beitrittskandidaten auf EU-Niveau zu bringen, wären Investitionen von 50 Mrd. Euro erforderlich, davon allein die Hälfte für die Abwasserbehandlung. Realistischer, aber "immer noch eine große Herausforderung" sei laut Tronnier ein Szenario, wonach die wichtigsten Maßnahmen in einer Grössenordnung von 15 bis 20 Mrd. Euro ermittelt und die Investitionen hierfür auf zehn Jahre verteilt werden. Zur Umsetzung sollten auch Public-Private-Partnership- Modelle (PPP) überlegt werden.

Auf spezielle Probleme bei Projektfinanzierungen im Bereich der Wasserwirtschaft verwies Johann Friedl von der Bank Austria CA. Zu den typischen politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten eines Engagements in den betroffenen Ländern kämen bestimmte Formen des Marktrisikos. Die effiziente Abrechnung hänge von funktionsfähigen Wassermessanlagen, möglichst verlustfreien Leitungssystemen und der Verhinderung illegaler Entnahmen ab. Die Fehlmengen erreichten heute noch Werte bis zu 50 Prozent. Hinzu komme das Spannungsfeld zwischen der politischen Verpflichtung, dass sich Wasser jeder leisten können müsse und wirtschaftlichen Erwägungen der Investoren, die zudem kaum ein wirksames Druckmittel in der Hand hätten. Friedl: "Wasser ist ein lebenswichtiges Gut. Wenn jemand nicht zahlt, kann man ihn nicht einfach von der Versorgung abschneiden."

Risiken müssten zunächst identifiziert und in Errichtungs- bzw. Konzessionsverträgen berücksichtigt werden. So sollte etwa die Behörde, die in den jeweiligen Ländern für die Festsetzung der Wassergebühren verantwortlich ist, verpflichtet werden, Produktionspreiserhöhungen auszugleichen, die nicht im vollen Umfang an die Verbraucher weitergegeben werden können, erklärte der Projektfinanzierungs-Spezialist.

Der Water Kongress findet noch bis einschließlich 31. März im Messe Wien Congress Center auf dem Messegelände Wien statt.

Anmeldungen zum Water Kongress werden bei der Messe Wien noch entgegengenommen bei Mag. Daniela Erlach, Tel. (+43-1) 727 20-388, daniela.erlach@messe.at

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