Walter Baier: "Über braune und blinde Flecken"

Gegen Gleichsetzung mit SPÖ und ÖVP KPÖ war Hauptkraft des antinazistischen Widerstands

Wien (OTS) - "Die KPÖ war zwischen 1938 und 1945 die Hauptkraft
des österreichischen antifaschistischen Widerstands. Gerade auf diesen Widerstand konnten sich die Politiker beziehen, die im April 1945 die Zweite Republik ausriefen. Die staatlichen FunktionsträgerInnen der KPÖ traten auch nach 1945 am entschiedensten für eine konsequente Entnazifizierung ein. Nicht zuletzt deshalb wurden sie sehr schnell von ÖVP und SPÖ, allen voran dem sozialdemokratischen Innenminister Helmer, aus dem Staatsdienst entfernt. Es ist kein Zufall, dass die Ausgrenzung der KommunistInnen und die Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten, beides im Zeichen des Kalten Krieges, parallel verliefen", erklärte KPÖ-Vorsitzender Mag. Walter Baier zur laufenden "Braune Flecken"-Debatte.

Der KPÖ-Vorsitzende verwahrt sich daher auch gegen das von Peter Pilz gesetzte Gleichheitszeichen zwischen ÖVP, SPÖ auf der einen und der KPÖ auf der anderen Seite im Umgang mit dem Nationalsozialismus. "Dies ist entweder ein Ausdruck von historischer Unkenntnis, von notorischem Antikommunismus, wahrscheinlich von beidem. In Pilz’ Aussage spiegelt sich aber auch ein nach wie vor bestehendes politisches Klima, in dem denjenigen WiderstandskäpferInnen, die sich zur KPÖ bekannten, gerade deshalb noch immer der gebührende Respekt verweigert wird. Manche, wie etwa die kürzlich verstorbene Architektin M. Schütte-Lihotzky, wurden jahrzehntelang wegen ihrer KPÖ-Mitgliedschaft mit einem faktischen Berufsverbot belegt. Wenn also nun über die braunen Flecken von SPÖ und ÖVP öffentlich diskutiert wird, so ist das einerseits vorbehaltlos zu begrüßen. An der Zeit wäre aber auch, über einige blinde Flecken zu reden. Zur Aufhellung der ganzen und heute wieder virulenten Wahrheit gehört nämlich auch in Erinnerung zu rufen, wie schon wenige Wochen nach der Befreiung Österreichs vom Faschismus, der antifaschistische Konsens durch einen antikommunistischen Konsens ersetzt wurde. Aus dem gegebenen Anlass: Der vor 35 Jahren von einem rechtsextremen Studenten erschlagene Ernst Kirchweger ist Mitglied der KPÖ gewesen. Auch eine Tatsache, die offiziellerseits bis heute nicht erwähnt wird, weil sie ganz offensichtlich dem herrschenden Geschichtsbild widerspricht."

"In der KPÖ hat in den vergangenen zehn Jahren eine selbstkritische und phasenweise sehr schmerzhafte Diskussion über ihre Fehler stattgefunden. Diese Selbstkritik relativiert aber in keiner Weise den bedeutenden und positiven Anteil, den viele KommunistInnen und Kommunisten an der österreichischen Geschichte und insbesondere am Kampf gegen des Faschismus genommen haben", schloss Baier.

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