"Neue Zeit" Kommentar: "Sargträger" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 29.3.2000

Graz (OTS) - Wenn ich einen Hund füttere, und der beißt mich, dann füttere ich ihn nicht mehr". Dieses Verständnis von Freiheit der Kunst und der Presse schmetterte FPÖ-Führer Jörg Haider bei seinem Rieder Aschermittwoch-Pamphlet in die bierselige Menge. Wie ernst es ihm und seiner Partei damit ist, sich Künstler und Zeitungen, die Fördermittel bekommen, willfährig zu machen, zeigt das Beispiel "Diagonale". 160.000 Schilling sollte das Land Steiermark für einen Filmpreis auf Antrag des SP-Kulturreferenten Peter Schachner berappen. Der FPÖ-Kombattant in den Reihen der steirischen ÖVP, Landesrat Gerhard Hirschmann, ließ nach Protest der FPÖ-Landesrätin Magda Jost-Bleckmann den Antrag zurückstellen, weil sich die Künstler kritisch über die FPÖ-Regierungsbeteiligung geäußert hatten. Deshalb gibt es kein Geld des Landes für den "Diagonale"-Preis. Es passt ins Bild, wie Hirschmann seine Aktion begründete, völlig entsprechend der freiheitlichen Dialektik: Selbstverständlich sei er für die Freiheit der Kunst - dann das mittlerweile aus dem rechten Lager sattsam bekannte Aber - "wer an den Futtertrögen der öffentlichen Hand" hänge, solle ihn nicht für "deppert" verkaufen wollen. So sehr trifft den schwarzen Landesrat die Kritik der Künstler an den Machenschaften Jörg Haiders und dessen Partei. Dass sich die steirische ÖVP mit Landeshauptfrau Waltraud Klasnic an der Spitze als Sargträgerin für die von Haider und Hirschmann gemeuchelte Freiheit der Kunst hergibt, ist ein mehr als trauriges Kapitel der Kulturpolitik.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit, 0316/2808-306

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