DER STANDARD bringt in seiner Mittwoch-Ausgabe einen Kommentar über die Vorschläge der Pensionsreformkommission Ende der Umverteilung Conrad Seidl

Wien (OTS) - Die österreichischen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit basieren auf Erfahrungen der Nachkriegszeit. Damals waren riesige Sachvermögen vernichtet, Geldvermögen gab es gar nicht mehr. Und es waren alle bedürftig. In einer solchen Situation kann nur eines helfen: möglichst gerechte Verteilung des Wenigen, das überhaupt da ist.

Diese Verteilungsmentalität hat sich überall eingenistet: ein bisserl soziale Ermäßigung hier, ein bisserl soziale Zuschüsse dort. Wer kann, langt zu. Wenn er kann, wird auch ein Hofrat Wohnbauförderung in Anspruch nehmen. Wenn Kuren angeboten werden, fährt der Herr Hofrat eben auf Kur - die medizinischen Leistungen kosten ihn ja genauso viel wie einen jungen Beamten. Und er wird Witwerpension beziehen, wenn er seine Frau überlebt hat - selbst wenn die Hinterbliebenenpension nach einer Hofratsgattin im Vergleich zu einer Hofratspension kaum ins Gewicht fallen dürfte.

Dass dieses System alles andere als treffsicher ist, liegt auf der Hand. Weil aber jeder meint, eine Veränderung würde ihn besonders hart treffen, wird das bestehende System so zäh verteidigt. Die Expertenkommission zur Pensionsreform hat das in den letzten Tagen erlebt, sie hat ihren Bericht mehrfach angepasst: Mal an dieser Schraube ein bisschen mehr gedreht, mal an jener ein bisschen weniger - auch die Empfänger des Berichtes in den Koalitionsparteien haben ja Interessen zu vertreten.

Aber sie vertreten immerhin einen Grundsatz, den auch die Experten hochhalten: Das System muss mehr auf Leistungsgerechtigkeit ausgerichtet werden und weniger auf Umverteilung. Das ist immerhin eine richtige Vorgabe. Und noch ein zweites lehrreiches Prinzip haben die Experten festgeschrieben: Mittel- und langfristig wird man das System noch öfter anpassen müssen. Endlich fällt der Druck auf die Politik weg

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