Jugendstrafanstalt Gerasdorf soll geschlossen werden!

Jugendkriminalität steigt um 7,4 Prozent und das Justizministerium will die Jugendstrafanstalt schließen

Wien (OTS) - Aktuellen Informationen zu Folge plant das Justizministerium die Sperre der Sonderanstalt für Jugendliche in Gerasdorf.

Das Gebäude soll in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher umgewandelt werden.

In Gerasdorf, wo man 30 Jahre Berufsausbildung im Jugendvollzug feiert, werden in elf Handwerksbetrieben jugendliche Straftäter neben pädagogischer Betreuung von Meistern und Berufschullehrern in Berufen wie Maurer, Schlosser, Tischler, Maler usw. ausgebildet.

Leonhard Schinkel von der Justizwachegewerkschaft stellt fest:
"Mit der Umwandlung von Gerasdorf in eine Anstalt für psychisch abnorme Straftäter soll eine seit vielen Jahren falsche Vollzugspolitik kaschiert werden".

Als Folge der Verwahrlosung psychisch Kranker steigt die Zahl der unzurechnungsfähigen Straftäter jährlich um zehn Prozent. Die Kosten für die Unterbringung in Krankenhäusern steigen ständig. Die Idee aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen ist, diese Kranken aus den Kliniken in die Justizanstalten zu verlegen und so die Kosten zu senken. So stellen sich in Zukunft die Justizanstalten als billige Krankenanstalten dar.

FCG-Gewerkschafter Schinkel: "Da das Justizministerium bis jetzt nicht in der Lage war die Kosten für die medizinische Betreuung der Gefangenen in den Griff zu bekommen (ca. 200 Millionen jährlich) werden auch die Kosten für Betten psychisch Kranker in kurzer Zeit das Budget der Justizanstalten auffressen. Die Schließung der Jugendstrafanstalt würde ein nicht wieder gut zumachender Fehler sein".

Denn: Das Gefangenenhaus des Wiener Jugendgerichtshofes platzt wegen Überbelegung aus allen Nähten. Die Jugendkriminalität steigt um 7,4 Prozent. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtkriminalität steigt seit 1990 alarmierend.

Vom Innenministerium wurde der Zeitraum von 1990 bis 1998 untersucht. In diesen Jahren stieg der Anteil der angezeigten Kinder und Jugendlichen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen von 11,5 auf 16,2 Prozent.

1998 wurden 3774 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren wegen krimineller Taten angezeigt - drei Mal so viele wie 1990.

· So stiege der Anteil bei Ladendiebstählen von 16 auf 26,3 Prozent.

+ Bei Kfz-Einbrüchen von 20,4 auf 24,8 Prozent.

+ Bei Einbrüchen in unbewohnte Häuser von 27 auf 47,3 Prozent.

+ Bei Automatenknackern von 48 auf fast 69 Prozent.

+ Und 31,4 Prozent aller angezeigten Raufereien gingen auf das Konto von Kindern und Jugendlichen.

Dramatisch auch die Steigerung im Drogenbereich.

· Bei den Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz stieg der Anteil der Kinder und Jugendlichen von 10 auf 27,5 Prozent.

+ Bei den Drogenverbrechen von 2 auf 15 Prozent.

Leonhard Schinkel: "Die Sperre von Gerasdorf und die Verlegung psychisch Kranker in Justizanstalten wäre ein gewaltiger Schritt zurück, in die Zeit des Verwahrungsvollzuges".

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