"Wirtschaftsblatt"-Kommentar: "Von Dinkhauser lernen" von Daniela Friedinger

Ausgabe vom 28.3.2000

Wien (OTS) - Der Rote trat zurück, der Blaue rangiert unter ferner liefen: Bei den Tiroler Arbeiterkammer-Wahlen hat der amtierende Präsident und AAB-Mann Fritz Dinkhauser seine Herausforderer auf die Plätze verwiesen. Mit 46 von 70 Mandaten lässt er Rot (13 Mandate), Blau (sechs) und Grün (drei) alt ausschauen. Damit hat Dinkhauser wohl einen Sieg gelandet, von dem andere Kämmerer nur träumen können. Ein frommer Wunsch bleibt anderswo allerdings auch Dinkhausers Motto:
Er wolle wie bisher "für die Leut' da sein", meinte der Tiroler Strahlemann nach geschlagener Wahl. Strahlend lächelnd gibt sich auch Christoph Leitl. Ob es ihm gelingt, bei den Arbeitgebern ähnlich zu punkten wie Dinkhauser bei den Arbeitnehmern, wird sich morgen, also nach Ende der laufenden Wirtschaftskammerwahlen, zeigen. Leitl muss sich allerdings mit Problemen herumschlagen, die Dinkhauser und dessen Kollegen aus Oberösterreich und Salzburg, wo die AK-Wahlen gestern starteten, nicht tangieren. Es handelt sich um hausgemachte Probleme der Wirtschaftskämmerer. So scheint es in den Hochburgen der Interessenvertretung der Wirtschaft mehr an wirtschaftlichem Denken zu mangeln als in den Arbeitnehmervertretungen: Die Wirtschaftskammern haben ein Budget von acht Milliarden, während die Arbeiterkammern mit drei Milliarden auskommen. Mit dem üppigeren Budget werden 300.000 Mitglieder vertreten, die Kammer mit knapperer Kasse zählt rund 2,5 Millionen Mitglieder. Freilich gibt es in der WK die Aussenwirtschaft, die rund 1,6 Milliarden verschlingt, die kostenaufwendigen Wifis, doch der tatsächliche Output mutet auf AK-Seite grösser an. Etwa startete die AK Niederösterreich jüngst eine Aktion, um zu viel bezahlte Kreditzinsen für ihre Klientel zurückzufechten. Die WK hingegen hat wohl vergessen, dass sich unter den Kreditnehmern etliche Kleingewerbler finden, die von Banken nicht weitergegebene Zinssenkungen ebenso im Börsel spüren. Und während in der WK mangelnde Transparenz beklagt wird, verweist die AK Wien auf einen nachvollziehbaren Erfolg: Sie habe im Vorjahr aus Prozessen 1,5 Milliarden für Mitglieder herausgeholt. Vielleicht ein Grund, warum in der AK die Pflichtmitgliedschaft ausser Streit steht. Der künftige WK-Boss Leitl kann also bei seinen angekündigten Reformen von manchen AK-Chefs, vor allem von Dinkhauser, durchaus noch etwas lernen.

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