HGPD-Kaske: "Ende der Hausbesorger gefährdet soziale Sicherheit."

32.000 HausbesorgerInnen müssen um ihren Arbeitsplatz fürchten

Wien (ÖGB/HGPD). "Abschaffen ist keine Lösung", erklärt Elisabeth Weihsmann, Geschäftsführerin der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte heute, Montag bei einer Pressekonferenz zur geplanten Abschaffung des Hausbesorgergesetzes mit 31. März 2000. "Da wird auf Kosten einer ganzen Berufsgruppe Politik gemacht", empört sich der Vorsitzende der Gewerkschaft, Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher, Dienst (HGPD), Rudolf Kaske: "Unter dem Vorwand Mieten zu senken, gefährdet man 32.000 Arbeitsplätze - 80 Prozent davon Arbeitsplätze von Frauen. Stattdessen werden atypische Beschäftigungsverhältnisse entstehen." ++++

Der HGPD-Vorsitzende prophezeit auch einen Verlust der sozialen Sicherheit mit der Abschaffung der Hausbesorger: "Wir kennen sie doch alle die Hausbesorgerin, die das Nachbarkind verarztet oder der alten Dame das Einkaufssackerl trägt, aus dem Fernsehen und aus der Wirklichkeit. Das werden Geisterhäuser ohne Hausbesorger. "
In Umfragen, so Kaske, hätte sich ein Grossteil der Mieter immer wieder für Hausbesorger ausgesprochen.

HGPD-Frauenvorsitzende Elisabeth Lahner, selbst Hausbesorgerin, warnt ebenfalls: "Ich vergleiche das immer mit den Strassenbahnschaffnern. Ich glaube nicht, dass die Ersparnisse durch deren Abschaffung, die Kosten, die jetzt durch Vandalismus und Schwarzfahrer entstehen, aufwiegen. Ganz zu schweigen vom Dienstleistungsfaktor." Vor allem um ihre Kolleginnen macht sich Lahner Sorgen: "Für viele Alleinerzieherinnen, auch Mütter mit behinderten Kindern ist der Hausbesorgerberuf die einzige Chance Beruf und Familie zu vereinen. Diese Frauen sind die wahren Verliererinnen, sie und ihre Kinder."

"Mit Aufhebung des Hausbesorgergesetzes kann der Verlust des Arbeitsplatzes für Hausbesorger auch den Verlust der Wohnung bedeuten", weiß Ernst Reiffenstein, Sektionsvorsitzender Stellvertreter der Hausbesorger in der HGPD: "90 Prozent der Hausbesorger verdienen unter 16.000 Schilling brutto (1162,77 Euro). Und wir sorgen auch am Wochenende für Reinigung, Wartung und Sicherheit. "

Eine "Schnapsidee" ist die geplante Gesetzesänderung für Elisabeth Weihsmann, Geschäftsführerin der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte: "Auf so was können nur Leute kommen, die von der Praxis keine Ahnung haben. Eine Dienstwohnung kostet den anderen Mietern 40 Groschen im Monat. Ohne Hausbesorger müsste ich in Häusern mit Aufzug einen Aufzugwart anstellen. Für Gartenarbeiten und kleine Reparaturen müssten wir extra jemanden rufen. "

Eine Reform des Hausbesorgergesetzes mit Anpassungen an die neuen technischen Gegebenheiten wäre notwendig gewesen, darüber sind sich alle einig, seine Abschaffung komme einem sozialen Kahlschlag gleich. "Diese Maßnahme geht auch zu Lasten der Mieter", erinnert Kaske.

Am 30. März 2000, einen Tag bevor das Hausbesorgergesetz im Parlament behandelt werden soll, wollen die Hausbesorger in einer Kundgebung vor der Wiener ÖVP-Zentrale ihrem Unmut Ausdruck verleihen. In einem Hausbesorger-Kehraus soll ihr Berufsstand um 18.00 Uhr zu Grabe getragen werden. (kk)

ÖGB. 27. März 2000 Nr. 197

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