Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Mitreißende Trauer

Ausgabe 25.3.2000

Wohl an die 2000 Jahre ist das Verhältnis zwischen Christen und Juden vergiftet. Die einen wurden zu millionenfachen Menschenmördern, weil sie die anderen in tiefster Verblendung für "Gottesmörder" hielten, oder einfach nur ein Argument für ihre eigene verbrecherische Gottlosigkeit brauchten. Eine unheilbare Vergiftung. Johannes Paul II litt sichtlich tiefer an ihr, als manche aus seiner Umgebung es wahrhaben wollten.

Dieser alte Mann in Rom entschloss sich zur Heilung. Verordnete der Kirche 2000-jährige Rückerinnerung und pilgerte ins Heilige Land. Hat auch jedes seiner Worte politische Wirkung, hier ging es nur noch um das "biblische Gesetz der Wahrheit und der Liebe". Er nannte sich gestern bewusst "Nachfolger des Apostels Petrus", um den gewaltigen Bogen der Schuld und Trauer zu kennzeichnen, der auf Christen lastet.

Noch nie wahr Heilung so zum Greifen nahe. Doch kann es nach dem Holocaust überhaupt Heilung geben? Die menschliche Antwort ist nein. Doch dieser alte Mann aus Rom hält sich - wenn auch mühsam - auf den Beinen, um den Gegenbeweis vorzuleben. Vielleicht wurde das Heil noch nie so mitreißend verkündet, wie durch die Trauer dieses Papstes.

Manchen erscheinen die Worte des Papstes zu wenig, manchen die Schritte zu zaghaft. Und manchen alles viel zu spät. Das alles ist wahr. Und doch schuf dieser Papst mit seiner Reise, seinen Worten und Gesten eine Wirklichkeit, die es ohne ihn nicht gäbe.

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