Die Kulinarik und das Risiko

Landestheater-Spielplan zielt auf Herz und Hirn
(Von Franz Schwabeneder)

Man kann immer ein Motto suchen, und wenn man durchaus will, dann findet man auch eine dramaturgische Schiene, auf der das Stück-Angebot des Linzer Landestheaters für die Saison 2000/2001 dahinrollt. Etwa die Wirrnisse und Fährnisse der Liebesbeziehungen vom trivialen Beuschlreißer der ãGeier-WallyÒ über das Bittersüße des StraussÕschen ãRosenkavalierÒ bis zur französischen Hochklassik der RacineÕschen ãPhädraÒ. Man kann auch drei Mal Shakespeare aufspüren oder die kräftigen Österreich-Farben loben. Immerhin stehen zur ungetrübten Vorfreude aller Theaterfreunde drei Uraufführungen an: die Oper ãZeichner im SchneeÒ der Linzer Peter Androsch (Komposition) und Franz Blaas (Libretto), das Schauspiel ãHeesters in den SträuchernÒ des Linzer Schauspielers und Dramatikers Andreas Jungwirth sowie ãBoccaleoneÒ, das neueste Stück der bedeutenden Erzählerin und Dramatikerin Marlene Streeruwitz. Dazu Johann Strauß und Nestroy und Werner Schwab und ein zünftig oberösterreichischer mörderischer Heimatabend . . .
Aus Kulinarik, Bildungsgut, Spaß und Zeitgenossenschaft liest sich der Landesbühnen-Spielplan vielversprechend, zielt gleichermaßen auf Herz und Hirn; ãkraftvoll, sinnlich und poetischÒ, wie die Theaterleute selbstbewusst werbend meinen. Die Wirklichkeit liegt naturgemäß im punktuellen Einzelereignis der intepretatorischen Bewältigung. Aber da hat sich ja von den Inszenierungsteams bis zur Darstellung in der Intendanz Michael Klügl bemerkenswerte Qualität etabliert, auch mit Mut zum Risiko Ð und daran mitunter gelegentlich scheiternd.

Der Publikumszuspruch ist in der laufenden Saison sehr akzeptabel. Allerdings nicht in der dritten Spielstätte der Landesbühne, dem ehemaligen Eisenhand-Kino. Bis heute ist es nicht gelungen, in diesem Raum ein Programm anzubieten, das ausreichend angenommen wird. Es ist zu hoffen, dass mit dem Angebot der kommenden Saison dieses Theaterhaus mehr Akzeptanz findet.
Im Lichte der Errichtung des neuen Musiktheaters sind nicht nur wichtige planerische, finanzielle und bauliche Entscheidungen zu treffen, sondern auch personelle, und dies in sehr absehbarer Zeit. Der Vertrag des amtierenden Intendanten Michael Klügl läuft bis 2003. Das Land Oberösterreich als Theatererhalter sollte nicht verabsäumen, zeitgerecht auszuverhandeln, ob Klügl als Theaterchef das neue Opernhaus und damit die geänderten Betriebsbedingungen mit dem Schauspielhaus an der Promenade verantwortet. Bisher hat es dazu keine Gespräche gegeben. Die Intendanz wiederum wird vor der Entscheidung stehen, ob sie nach dem Ausscheiden von Dagmar Schlingmann als Schauspieldirektorin (sie wird 2001 Intendantin in Konstanz), wieder eine gleichberechtige Führungsperson an die Seite des Schauspieldirektors Gerhard Willert stellen will.
Ohne eigenen Opernchef muss die Musiktheatersparte zwar noch zwei Saisonen auskommen, aber der designierte Boss Dennis Russell Davies ist eingebunden in die Pläne und Dispositionen des Hauses. Und er wird auch die Spielzeit 2001/2002 als Dirigent eröffnen.

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