Was ist neu an New Economy?

Der Marktmechanismus bleibt weiterhin der alte
(Von Hans Köppl)

Ein Schlagwort geht um in Europa, das Schlagwort von der ãNew EconomyÒ, ein Begriff, der erstmals 1993 in den USA auftauchte, und dort seitdem viele Ökonomen zunehmend begeistert. Europa ist, nimmt man den Präsidenten der EU-Kommission, Romano Prodi, wörtlich, gerade dabei, sich auf die neue Ökonomie vorzubereiten. Am heute in Lissabon beginnenden EU-Gipfel will er ãden Stein ins Rollen bringenÒ, kündigte er in der ãZeitÒ an. Kommt der Stein Ð gemeint ist die neue Ökonomie Ð dann tatsächlich ins Rollen, sei Europa nicht mehr zu bremsen: ãEuropa kann in den nächsten zehn Jahren die wettbewerbsfähigste Wirtschaft der Welt werdenÒ, begeistert sich der Präsident.
Was tut sich da vor uns auf, fragt der Laie, was hat es mit der ãNew EconomyÒ auf sich, was rechtfertigt die plötzliche Euphorie? Ausgangspunkt ist der Wunsch der Europäischen Kommission, die jahrelang stagnierende europäische Wirtschaft endlich auf Touren zu bringen, und das nachhaltig. Letztlich ist nur von einer solchermaßen wachsenden Wirtschaft ein Abbau der immer noch viel zu hohen Arbeitslosigkeit in Europa zu erwarten. Seit bald zwanzig Jahren können die USA auf eine deutlich bessere Beschäftigungssituation als die EU verweisen, seit Beginn der neunziger Jahre herrscht dort Vollbeschäftigung. In Europa gabÕs die zuletzt am Beginn der siebziger Jahre. Danach schnellten die Arbeitslosigkeitsraten in zweistellige Höhen.

Mit ãNew EconomyÒ bezeichnet man in den USA den volkswirtschaftlichen Glückszustand von hohem Wirtschaftswachstum im Verein mit Vollbeschäftigung und so gut wie nicht vorhandener Inflation. Weil dieser Zustand jetzt schon seit etwa neun Jahren besteht, meinen manche Ökonomen, es hätte sich so etwas wie ein volkswirtschaftlicher Paradigmenwechsel vollzogen, die herkömmlichen Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie würden demnach keine Gültigkeit mehr besitzen.
Als Grundlage und Ausgangspunkt dieser neuen Ära des inflationsfreien Wachstum gilt die Informationstechnologie, die digitale Vernetzung der Wirtschaft. Wirtschaftshistoriker sprechen von der Internet-Revolution und ziehen Vergleiche zur industriellen Revolution des 18. Jahrhunderts. Was damals die Dampfkraft war, ist heute der Produktionsfaktor Wissen. Die zentrale Forderung des EU-Kommissionspräsidenten lautet deshalb: Digitale Alphabetisierung aller Bürger.

Steht Europa an der Schwelle einer schönen neuen Welt? Umso mehr, wenn es gelingt, das liberale amerikanische Modell mit traditionell europäischem Sozialbewusstsein zu verbinden? Möglicherweise hat Europa jetzt die ersten Schritte auf einem längeren Wachstumspfad gesetzt, doch die Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten weiterhin, und mit ihnen das Auf und Ab der Konjunktur. Eine digital vernetzte Wirtschaft bringt nicht nur einkommenerhöhende Produktivitätszuwächse, sondern auch arbeitsplatzvernichtende Rationalisierungseffekte. Mehr Transparenz via Internet macht aus unvollkommenen Märkten vollkommene. Der Marktmechanismus bleibt unverändert der alte. Was sollÕs.

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