Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Schulterschluss gegen die ÖVP?

Ausgabe vom 22.3.2000

Man salbadere nicht lange herum: Dass Wolfgang Schüssel die internationale Reputation seiner Regierung von Jörg Haiders Gnaden völlig gleichgültig ist, hat er bewiesen, als er dieselbe auf Kosten Österreichs bildete. Man kann dem ehemaligen Außenminister gelassen unterstellen, dass er sich der fatalen Konsequenzen seiner Koalition mit einer weltweit moralisch geächteten Partei bewusst war.

Warum also bettelt er jetzt auf den Knien um einen "Schulterschluss" mit den Oppositionsparteien? Wolfgang Schüssel hat sehr wohl seine Gründe, aber diese haben mit Europa nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein kalkuliertes Manöver, um innerhalb der ÖVP jegliche Kritik an seiner ruinösen Politik mundtot zu machen. Bekanntlich sind es gerade die christlich-konservativen Kräfte innerhalb der ÖVP, die sich gegen Schüssel zu formieren beginnen, also die Kernschichten der ehemaligen "Europapartei". Diese sind traditionell gegen "nationale" Wahnideen immun und haben oft ihre gesamte politische Arbeit dafür aufgewendet, um Österreich in der Europäischen Union zu verankern. Mit Sorge und Wut müssen sie nun zuschauen, wie ihr Obmann in seiner Hörigkeit gegenüber Jörg Haider die Aufbauarbeit von Jahrzehnten vernichtet.

Wolfgang Schüssel weiß, dass er auf das christlich-konservative Lager in der ÖVP nie mehr wird zählen können. Also muss er es ausschalten, bevor er selbst ausgeschaltet wird. Zählen kann der Kanzler in seiner Situation nur mehr auf Jörg Haider. Es bleibt ihm nichts übrig, als ihm die ÖVP auszuliefern.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI