Rieder: Prozess könnte auch in Abwesenheit Gross geführt werden

Wien, (OTS) "Der Prozess gegen den ehemaligen Spiegelgrund-Arzt Dr. Heinrich Gross könnte auch in Abwesenheit des Angeklagten geführt werden", erklärte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des Pressegespräches des Bürgermeisters. Zum Vergleich nannte der Wiener
Gesundheitsstadtrat das Verfahren gegen den Briefbombenattentäter Franz FUCHS, wo der Angeklagte aufgrund seines Verhaltens im Gerichtssaal vom Prozess ausgeschlossen wurden.

"Es geht um ein Urteil, nicht um Strafe"

Generell gehe es bei dem Verfahren gegen Gross nicht um das Strafausmaß, sondern darum, endlich ein Urteil auf dem Tisch zu haben", betonte Rieder. Es ginge auch darum, die Rolle der Wissenschaft und der Justiz vor und nach 1945 aufzuarbeiten.

Die Ermordung von geistig und körperlich behinderten Kindern stellte die "Startphase" einer sich immer schneller drehenden Todesspirale der Nazis, die letztendlich im Völkermord des Holocausts endete. Rieder: "Was aber auch nach 1945 nicht endete, war die ´wissenschaftlich" Ausbeutung der ermordeten Kinder, auf deren Leichen nicht nur eine Karriere im Nachkriegsösterreich aufgebaut wurde".

Rieder: Wissenschaft ist nicht wertfrei

Rieder: "Möglich wurde das durch eine - um einen neutralen Begriff zu verwenden - ´Wertfreiheit" der Wissenschaft. Es gab offenkundig keine selbstwirksame Immunisierung der Gesellschaft gegen Bestialität, vielmehr müssen positive Kräfte stets aufs Neue aktiviert werden." Es liege an der Gesellschaft, zu definieren,
wie der Umgang der Wissenschaften mit Menschenrechten, Menschenwürde und Grundwerten geregelt wird. Diese Frage könne man, wenn einem an den humanen Grundwerten etwas liege, niemals unbeantwortet lassen. "Denn die Wissenschaft ist zwar
grundsätzlich frei, nicht aber frei gegenüber den Menschenrechten und der Menschenwürde". (Schluss) nk

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