Häufig verabreichte Schmerzmittel und entzündungshemmende Mittel bei Arthritis erhöhen laut Studie das Sterberisiko

London (ots) - Eine neue im März veröffentlichte Studie
zeigt, dass durchschnittlich einer von 1.220 Patienten, die oral nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) über einen Zeitraum von mindestens 2 Monaten eingenommen haben, an schweren gastrointestinalen Blutungen und anderen Komplikationen stirbt, die durch diese häufig verwendeten Schmerzmittel ausgelöst werden. Dies entspricht schätzungsweise 2.000 vermeidbaren Todesfällen jedes Jahr allein in Großbritannien.

"Viele Ärzte sind sich darüber im klaren, dass diese Schmerzmedikamente - bekannt als NSAID - Magengeschwüre auslösen können, die sich ausbreiten können und dabei zu Magenblutungen und in einigen Fällen sogar zum Tode führen können (1,2)", so Dr. med. Dr. phil. Martin Tramèr, FMH Anesthésiologie, von der Abteilung für Anästhesiologie des Universitätskrankenhauses in Genf, Schweiz, der führende Forscher in dieser neuen Studie. "Genau aus diesem Grund sind Ärzte sehr vorsichtig bei der Verwendung von Standard-NSAID in hohen Dosen über einen längeren Zeitraum bei Patienten, die an Magengeschwüren und anderen gastritischen Erkrankungen leiden."

Trotzdem, so Dr. Tramèr, werden NSAID weiter häufig verwendet, besonders bei Menschen mit arthritischen Beschwerden. In Großbritannien, so erklärte er, konsultieren jedes Jahr 8 Mio. Menschen einen Arzt auf Grund einer Form der arthritischen Erkrankung, unter ihnen die Hälfte 65 Jahre und älter. Wenn nur die Hälfte von ihnen NSAID über mehr als zwei Monate einnimmt, erklärte Dr. Tramèr, sind zwei Mio. Menschen gefährdet. Und das gilt nur für Großbritannien.

Dr. Tom Johnson, ein Arzt aus Fyled, Großbritannien, sagte:
"Diese neuen Befunde haben grundlegende Implikationen für die Verschreibung von Schmerzmitteln, besonders bei Patienten mit arthritischen Erkrankungen oder bei älteren Patienten. Die konventionellen NSAID sind sehr wirksame Schmerzmittel, aber diese Studie bestätigt, dass sie für die Patienten auch ernste Folgen haben können. Glücklicherweise stehen jetzt bessere Alternativen zur Verfügung, die anscheinend nicht die gastrointestinalen Komplikationen - die mit konventionellen NSAID in Zusammenhang gebracht werden - verursachen und ebenso wirksam zu sein scheinen." Die neue Studie, die in der Ausgabe der Zeitschrift Pain dieses Monats veröffentlicht wurde, kombinierte Daten aus 15 randomisierten klinischen Studien, drei Kohortenstudien und 20 Fallstudien und Fallberichten und präsentiert Daten über insgesamt 250.000 Patienten.

Die Autoren nahmen diese Untersuchung vor, weil sie glauben, dass die Versuche, die auf diesem Gebiet in der Vergangenheit durchgeführt wurden, nicht umfassend genug waren, um ein genaues Bild der Risiken im Zusammenhang mit dem chronischen Gebrauch von NSAID zu liefern.

Neue Zahlen können das wahre Ausmaß noch unterschätzen

"Diese neuen, alarmierenden Schätzungen der Anzahl der Todesfälle, die durch diese verbreiteten Schmerzmittel verursacht werden, können zu niedrig ausfallen," sagte Dr. Tramèr und erklärte, dass die Methode, die in dieser Studie angewendet wurde, gewählt wurde, um zu einem konservativen Ergebnis zu führen. Er nannte die Faktoren, die zu einer Unterschätzung des Risikos durch NSAID in dieser Studie führen könnten:

Allgemeinärzte kennen die Risikofaktoren, wenn sie NSAID verschreiben - daher ist es wahrscheinlich, dass die Kohortgruppe, die NSAID nimmt, eher zu der Population mit niedrigerem Risiko gehört.

Einige der betroffenen Patienten könnten ihre Medikamente nicht so häufig eingenommen haben, wie sie angaben, daher ist die Gruppe, die NSAID nimmt, wahrscheinlich durch diejenigen, die NSAID tatsächlich nicht regelmäßig eingenommen haben, verwässert.

Ein Teil dieser erwähnten Nicht-Einnehmer könnten frei verkäufliche NSAID erworben haben - das würde zu einer Überschätzung der Häufigkeit von Magenkrankheiten in der Kontrollpopulation führen.

Die Studie geht davon aus, dass Anwender von NSAID im Vergleich zu Nicht-Anwendern kein höheres oder niedrigeres Risiko eingehen, an einem komplizierten Magengeschwür zu sterben - trotzdem ist erwiesen, dass Anwender von NSAID tatsächlich ein höheres Risiko haben.

Blutungen auf Grund anderer Ursachen (wie Tumore und Gastritis) wurden bei der Studie ausgeschlossen - auch dies könnte zu einer Unterschätzung der Wirkung von NSAID führen. Andere Studien unterstützen diese Befunde

Die Einschätzung des Risikos durch NSAID in dieser Studie ist ähnlich wie die Ergebnisse, die in einer anderen früheren Studie erbracht wurden. 1997 ergab eine retrospektive Fallkontrollstudie, dass etwa 2.500 Todesfälle jedes Jahr in Großbritannien auf Komplikationen bei Magengeschwüren von Menschen zurückzuführen sind, die NSAID einnehmen.(3)

"Wir fühlen uns bestätigt, wenn wir sehen, dass die beiden Schätzungen, die aus zwei gänzlich unterschiedlichen Ansätzen und Forschungsmethoden resultieren, sich so ähnlich waren, weil das unser Vertrauen in deren Wert deutlich erhöht," sagte Dr. Andrew Moore, MA, Dr. phil., CChem, FRSC, DSc, von der Oxford Chronic Pain Clinic, Oxford, England, und Ko-Autor der Studie. "Unsere Studie ist ein weiterer Stein in der Beweiskette, dass die chronische Anwendung von oralen NSAID ein hohes Risiko für kleine und größere Schäden bis hin zum Todesfall darstellt."

"Neben dem menschlichen Verlust gibt es dabei auch noch einen wirtschaftlichen Aspekt. Es wurde kürzlich geschätzt, dass für jeden Patienten, dem ein NSAID verschrieben wird, Kosten für Nebenwirkungen in Höhe von £48 pro Jahr entstehen.(4) Obwohl die neuen Medikamente zur Schmerzbekämpfung bei Arthritispatienten nur vom Preis für das Medikament her teuerer sind, muss man dies gegen ihre größere Sicherheit gewichten," schloss Dr. Moore.

Zu dieser Studie sagte Per Aage Bjørke aus Norwegen, Präsident von Arthritis and Rheumatism International - einer Gruppe von Organisationen für Menschen, die an Arthritis erkrankt sind - :
"Diese Studie bestätigt, dass Tausende von Arthritispatienten weltweit unnötigerweise an den gastrointestinalen Nebenwirkungen der NSAID leiden" Er sagte: "Durch Forschungen in den USA haben wir herausgefunden, dass fast 130 Menschen jedes Jahr in Norwegen an einem blutenden Magengeschwür sterben, das durch NSAID verursacht wurde. Das ist eine Menge für ein Land mit einer Bevölkerung von nur 4 Mio.!"

Anmerkungen:

(1) Hawkey, C.J.: "Non-steroidal Anti-inflammatory drugs and peptic ulcers. Fact and figures multiply but do they add up?"; in:
BMJ 300 (1990); 278?284.

(2) Soll, A.H. et al.: "Nonsteroidal anti-inflammatory drugs and peptic ulcer disease"; in: Ann Intern Med, 114 (1991); 307-319.

(3) Blower, Al et al.: "Emergency admissions for upper gastrointestinal disease and their relation to NSAID use"; in:
Aliment Pharmacol Ther, 11(1997);283-291.

(4) Moore, R.A., und Phillips, C.J.: "Cost of NSAID adverse effects to the UK national health service"; in: J Med Economics, 2(1999); 45?55.

ots Originaltext: Dr. Martin Tramèr, Abt. für Anästhesiologie der Universitätsklinik Genf, Schweiz; Dr. Andrew Moore, Oxford Chronic Pain Clinic, England
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

Rückfragen bitte an:
Bernadette Simmons, Tel. +44-171-331-0331 oder
Fax +44-171-331-0333

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EUN/02