AKNÖ-Präsident Staudinger: "Regierung betreibt Politik der Kurzsichtigkeit im Arbeitnehmerschutz!"

GBH NÖ/AKNÖ-Enquete "Muss Arbeit die Gesundheit kosten?" in der AKNÖ-Bezirksstelle St. Pölten

Wien (OTS).- "AK und Gewerkschaft werden sich gegen diese Politik der Kurzsichtigkeit mit ganzer Kraft zur Wehr setzen. Das verspreche ich im Interesse von tausenden Kollegen, die sich tagtäglich abrackern und kaputt arbeiten am Bau, aber auch im Namen aller, die sich seit Jahren für mehr Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt einsetzen." Das stellte der Präsident der Arbeiterkammer NÖ, Josef Staudinger, bei der heutigen Eröffnung der Enquete "Muss Arbeit die Gesundheit kosten? Gesundheitsgefahren am Bau und deren volkswirtschaftliche Kosten" fest, die gemeinsam von der Gewerkschaft Bau-Holz NÖ und der Arbeiterkammer in der AKNÖ-Bezirksstelle St. Pölten veranstaltet wurde. Präsident Staudinger kritisierte neuerlich die Kürzungspläne der neuen Bundesregierung in Sachen "Arbeitnehmerschutz" und forderte gemeinsame Anstrengungen, um menschengerechte Arbeitsbedingungen am Bau sicherzustellen.

Die Bauarbeiter sind jene Berufsgruppe, die der höchsten Unfallgefährdung überhaupt ausgesetzt sind, was die Zahlen recht eindrucksvoll belegen. So gibt es in der Baubranche pro Jahr nicht weniger als 600.000 Krankenstandstage, das durchschnittliche Pensionsalter der Bauarbeiter liegt bei 57 Jahren. 60 Prozent aller Bauarbeiter müssen vorzeitig in die Inva-liditätspensionen gehen, unter dem Strich betragen die Kosten des Arbeitsausfalles durch Krankenstände im Bauwesen jährlich zwischen 5 und 6 Milliarden Schilling. Annähernd 20 Prozent der Krankenstandskosten der Bauarbeiter entfallen auf Arbeitsunfälle und der durchschnittliche Krankenstand eines Bauarbeiters kostet unglaubliche 29.000 Schilling im Jahr. Die Hauptursachen dafür sind Erkrankungen im Stütz- und Bewegungsapparat, Herz-, Kreislaufprobleme, Hautschäden, Stress, Lärm und die oft viel zu schweren Baustoffgewichte.

Präsident Staudinger angesichts dieser erschreckenden Fakten: "Es darf niemanden verwundern, wenn wir Arbeitnehmervertreter das nicht akzeptieren können und auch die Pläne der neuen Bundesregierung in Sachen Pension kategorisch ablehnen." Denn, so Staudinger weiter, "gerade unsere Bauarbeiter wissen, was es heißt, um eineinhalb Jahre länger arbeiten zu müssen, als Dank dafür aber durch die Abschlagszahlungen dann weniger Geld zu bekommen."

Der AKNÖ-Präsident kritisierte außerdem neuerlich die geplanten Maßnahmen in Sachen Arbeitnehmerschutz, die seiner Meinung nach an der vollkommen falschen Stelle ansetzen. Und meinte wörtlich: "Wenn beabsichtigt wird, das Arbeitnehmerschutzrecht zu ver-schlechtern, wenn die Arbeitsinspektion - wie gerade passiert - dem Wirtschaftsministerium unterstellt wird und wenn vorgesehen ist, die Mittel für die Allgemeine Unfallversicherungs-anstalt um 1,7 Milliarden Schilling pro Jahr zu kürzen, ein Geld, das dringend für Maßnahmen zur Unfallvermeidung und Unfallverhütung benötigt wird, dann ist unsere Kritik mehr als berechtigt."

Die Folgen wären nämlich ein starke Gefährdung der Erfolge im Bereich "Arbeitnehmer-schutz", die seit 1995 eine Reduktion der Arbeitsunfälle allein in NÖ um mehr als ein Drittel gebracht haben, schnell ansteigende Arbeitsunfälle, arbeitsbedingte Krankenstände und Invaliditätspensionen und Mehrkosten in Milliardenhöhe für Volkswirtschaft, Budget, Sozialkassen und Betriebe. Präsident Staudinger: "Aus diesem Grund sagen wir Nein zu solch einer Politik der Kurzsichtigkeit."

Der AKNÖ-Präsident abschließend: " Wir alle gemeinsam sind aufgerufen, für menschengerechte Arbeitsbedingungen am Bau zu sorgen. Wir alle gemeinsam sollten uns bemühen, die Gefahren auf der Baustelle so gut es geht zu minimieren. Wir alle gemeinsam sind dafür verantwortlich, dass unsere Bauarbeiter gesund bleiben."

Basis für die heutige Enquete war eine Studie, die die Gewerkschaft Bau-Holz gemeinsam mit der Bundesarbeitskammer in Auftrag gegeben hat und deren Ergebnisse seit ein paar Monaten vorliegen. Sie sind die Grundlage für eine breite Gesundheitsinitiative der Bau Holz-Gewerkschaft und werden derzeit in allen Bundesländern intensiv diskutiert. Die heutige Enquete in St. Pölten soll mithelfen, Bewusstsein zu schaffen und die Problematik in der Öffentlichkeit stärker zu thematisieren.

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