Ein Land in der Pattstellung

Nationaler Schulterschluss wäre ein falsches Signal
(Von Hans Köppl)

W as können wir tun? So beginnt zur Zeit eine der am häufigsten gestellten Fragen. Was nämlich können wir wirklich tun, um das tatsächlich oder auch nur vermeintlich verzerrte Österreich-Bild im Ausland wieder zurechtzurücken, beziehungsweise die gegen die österreichische Bundesregierung verhängten Sanktionen der vierzehn EU-Partner aus der Welt zu schaffen?
Immer noch ist Niedergeschlagenheit und Verständnislosigkeit die verbreitete Stimmung in der Bevölkerung, wenngleich vor allem jene, die vor sechs Jahren gegen einen Beitritt zur EU waren, jetzt mit Genugtuung auf ihre damaligen Vorbehalte hinweisen. Einige intellektuelle Kurzgreifer fordern Ð nicht weiter verwunderlich Ð den sofortigen Austritt aus der Union. Andere freuen sich klammheimlich über die Zwickmühle, in die sich die Regierung Ð defacto mit ihr ganz Österreich Ð hineinmanövriert hat. Tatsächlich stecken wir in einer Pattsituation. Der Politologe Anton Pelinka hat die Lage zwingend analysiert: Die EU-Vierzehn haben sich festgelegt, eine Regierung mit den Freiheitlichen nicht zu akzeptieren, die FP/VP-Koalition wird nicht ans Aufgeben denken. Daher bleibt die Lage so, wie sie ist, bis zum Ende dieser Regierungszeit.

Der Versuch, eine Differenzierung vorzunehmen, hier die böse Regierung, da die unbescholtene Bevölkerung (das andere Österreich, wie Selbstgerechte es gerne sehen), geht an der Realität vorbei. Eine Unterscheidung zwischen solchen und solchen Österreichern treffen zu wollen, gleitet teils ins Lächerliche und Peinliche ab, teils mündet sie in grob verletzende Ungerechtigkeit. Dass insgesamt das Österreich-Image im Ausland befleckt ist, kann nicht bestritten werden. Wenn Österreich-Aufenthalte mit der Begründung storniert werden, hier könne man sich nicht mehr sicher fühlen, dann müssen bei den Verantwortlichen im Land die Alarmglocken läuten. Auch bei jenen, die mit dem Finger auf die Regierung zeigen. Denn sie können doch nicht glauben, dass selbst ein Sturz derselben das getrübte Bild des Landes blitzartig aufhellen würde. Österreich als Ganzes hat Schaden genommen, weil gerade die Bilder medial nach außen transportiert wurden, die nicht repräsentativ sind für das Land. Hierin liegt vor allem der Irrtum derer, die mit Dauer-Demonstrieren ein ãanderesÒ Österreich vermitteln wollen, damit aber genau das Gegenteil bewirken.

Was also wirklich tun, um aus dieser Situation herauszukommen, ohne dass es das Land zerreißt. Vorzeitige Neuwahlen, wie sie eine außerparlamentarische Opposition herbeiführen will, bringen gar nichts. Sie lösen das Problem nicht, das vordergründig bei der FPÖ, und dort in der Person Haider, zu suchen ist. Die FPÖ wiederum steht für ein spezifisch österreichisches Demokratieverständnis, das aus einer ungenügend bewältigten Vergangenheit resultiert. Hier wäre der Hebel anzusetzen.
Damit schließt sich der Kreis, der aus Uneinsichtigkeit und Rechthaberei zum Teufelskreis werden kann. Ein nationaler Schulterschluss wäre da nicht nur ein falsches Signal, sondern hieße auch, das eigentliche Problem schlicht zu ignorieren.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0732/78 05/400österr. Nachrichten

OÖ Nachrichten

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OON/OON