Erdgas-Verbrauch in Österreich stieg 1999 um 2,1 Prozent an

Gaswirtschaft spricht sich gegen eine totale sofortige Marktöffnung und für ein Stufenmodell aus

Wien (PWK) - 1999 wurden in Österreich insgesamt 7,5 Mrd
Kubikmeter Erdgas abgesetzt. Diese Zahl umfasst alle neun Bundesländer und alle Letztverbraucher in den Sektoren Haushalt und Gewerbe, Industrie und Kraftwerke. "Damit kam es zu einer Steigerung um 2,1 Prozent (152 Mio Kubikmeter) gegenüber dem vorangegangenen Jahr", zog Heinz Krug, Geschäftsführer der Austria Ferngas GesmbH, beim Jahrespressegespräch der Gaswirtschaft Bilanz. Der Gesamtenergieverbrauch dürfte in Österreich 1999 im Vergleich dazu in etwa auf dem Niveau des Vorjahres geblieben sein.

Nach Sektoren gab es vor allem im Haushalt und Gewerbe einen beachtlichen Anstieg von 6,1 Prozent gegenüber 1998. Industrie und Chemie, auf die fast die Hälfte des österreichischen Gesamterdgas-Absatzes fällt, verbrauchten 1999 ungefähr gleich viel wie im Jahr davor. Zu einer geringfügigen Reduzierung kam es beim Einsatz von Erdgas im Kraftwerkssektor, und zwar um rund 1 Prozent.

Karl Skyba, Vorsteher des Fachverbandes der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen und Generaldirektor der Wiener Stadtwerke Holding AG, nahm zur Liberalisierung des Gasmarktes Stellung. "Österreichs Gaswirtschaft spricht sich gegen eine sofortige totale und für eine stufenweise Marktöffnung aus. Besonders aufgrund der noch bestehenden Take-or-pay-Verpflichtungen aber auch aufgrund der Entwicklung in der Mess- und Regeltechnik ist es unmöglich, eine generelle Marktöffnung ab 10. August 2000 für alle 1,2 Mio Gaskunden im Haushalts-, Gewerbe- und Kleinindustriebereich zu realisieren", betonte Skyba.

Die österreichische Gaswirtschaft hat im Rahmen der Begutachtung zum ersten Entwurf des Gaswirtschaftsgesetzes bereits darauf hingewiesen, dass eine 100-Prozent-Öffnung des österreichischen Gasmarktes aus ökonomischen Gründen und wegen der Wettbewerbsgleichheit nicht vertretbar, aus technischen Gründen bis 10. August 2000 keinesfalls realisierbar ist und von der EU-Gasbinnenmarkt-Richtlinie nicht einmal als Endstadium der Liberalisierung vorgesehen wird. Eine hundertprozentige Marktöffnung wäre für die österreichischen Gasversorgungsunternehmen ruinös, schon aufgrund der unterschiedlichen Größenverhältnisse in der europäischen Gaswirtschaft.

"Verstärkte Ortsaufschließungen in ganz Österreich werden im Jahr 2000 zu einem Anstieg des Erdgasverbrauches führen", prognostizierte Helmut Miksits, Geschäftsführer Wiengas GmbH und Vorsitzender des Marketingausschusses Verband Gas & Wasser. Dieser Zuwachs werde jedoch durch energiesparende Maßnahmen am Industriesektor ausgeglichen werden, so Miksits weiter. In Wien, wo der Haushaltsmarkt bereits gesättigt ist, wird es nur zu minimalen Zuwächsen kommen. Im Kraftwerkssektor macht sich der billigere Stromimport bereits bemerkbar: der Einsatz von Erdgas zur Stromerzeugung weist rückläufige Tendenz auf. Das hohe Preisniveau bei Erdgas werde voraussichtlich unverändert bleiben, schätzt Miksits.

Die Deckung des Erdgasbedarfs in Österreich wird auch heuer durch im Inland gefördertes Erdgas - rund 22 Prozent - sowie durch Erdgasimporte aufgrund langfristiger Lieferverträge aus Russland und Norwegen erfolgen. Die gesicherten österreichischen Erdgasreserven reichen bei gleichbleibender Förderung für die nächsten zehn Jahre. Laufende Bodenuntersuchungen lassen jedoch mindestens weitere zehn Jahre Förderung als wahrscheinlich erscheinen. (Ne)

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