Bauten koordinieren - Unfallzahlen senken AUVA-Initiative für mehr Sicherheit am Bau

Wien (OTS) - Das im Juli 1999 in Kraft getretene Baukoordinationsgesetz hat in den betroffenen Branchen die Gemüter erhitzt. Es wurde als undurchführbar, bürokratisch, unrealistisch und viel zu teuer hingestellt. Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) hat sich mit sogenannten Bau-Enqueten das Ziel gesetzt, die praktische Durchführbarkeit des Gesetzes und dessen Vorteile nicht nur für Arbeitnehmer sondern auch für Arbeitgeber aufzuzeigen und praktische Handlungsanleitungen für die Umsetzung des Gesetzes zu geben.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 15. März 2000 in Brunn/Gebirge erläuterten AUVA-Experten, aber auch die Spitze der Selbstverwaltung der sozialen Unfallversicherung, die Probleme im Bauwesen. Obmann Komm.-Rat Wolfgang Haunsberger und AUVA-Direktor Univ.-Prof. Dr. Norbert Winker nahmen zu aktuellen Sicherheitsfragen der Branche Stellung.

Weniger Verletzte, aber zu viele Tote

Die Arbeit am Bau stellt eine große Herausforderung für die dort Tätigen dar. Schwere Arbeiten müssen bei Wind und Wetter erledigt werden und dabei passieren mitunter schwere Unfälle. 1999 sind 61 Menschen bei Unfällen am Bau ums Leben gekommen.

Falsche Entscheidungen vor Baubeginn sind Ursache von 60% der tödlichen Unfälle. Fehler bei der Bauplanung, bei der Auswahl der entsprechenden Ausrüstung oder Mängel bei der Baustellenorganisation und der Koordinierung der beteiligten Unternehmen haben letale Folgen für Leib und Leben der Arbeitnehmer.

Fehler in der Planungs-, Organisations- und Ausführungsphase kosten nicht nur Leben und Gesundheit, sondern Qualität und Geld.

Arbeitnehmer, die einen Arbeitsunfall überleben und wieder ins Alltagsleben integriert werden, brauchen die Hilfe von Fachärzten, Pflegepersonal, Therapeuten in Spitälern und Rehabilitationszentren, beziehen eventuell Unfallrenten und müssen eine Situation bewältigen, die enormes Leid verursacht. Ein menschlicher und finanzieller Aufwand, der sich bei rechtzeitiger Vorsorge einschränken lässt.

Nach einer Studie der EU könnte ein Drittel aller tödlichen Arbeitsunfälle am Bau vermieden werden, wenn die Sicherheit der dort Beschäftigten bei der Planung berücksichtigt und während der Bauphase koordiniert wird. Das am 1. Juli 1999 in Kraft getretene Baukoordinationsgesetz ist die Antwort auf diese Erkenntnis.

Billiger Bauen

Das Baukoordinationsgesetz hat zum Ziel, die Unfallzahlen und Ausfallzeiten sowie die dadurch bedingten Folgekosten zu senken. Zusätzlich können Bauherrn aus einer verbesserten Zusammenarbeit mit den bauausführenden Firmen erhebliche Kostenvorteile erzielen:

  • Qualitätssicherung
  • Bessere Einhaltung der Bauzeiten, dadurch Entfall bzw. weniger Pönalezahlungen

- Exaktere Termin- und Finanzplanung

Das Gesetz

Durch das Bauarbeitenkoordinationsgesetz (BauKG) wird die EU-Baustellen-Richtlinie in Österreich umgesetzt.

Das Gesetz wendet sich primär an den Bauherrn und bindet ihn in die Verantwortung für den Schutz der ArbeitnehmerInnen ein. Er hat dafür zu sorgen, dass bei Entwurf, Ausführungsplanung und Vorbereitung des Bauprojektes sowie bei der Abschätzung der voraussichtlichen Dauer der Arbeiten alle Grundsätze zur Verhütung von Gefahren, für Sicherheit und Gesundheitsschutz, eingehalten werden. Bereits bei Planung und Bauausführung werden Sicherheitsmaßnahmen für spätere Wartungs-, Instandhaltungs- und Umbauarbeiten verwirklicht und in der "Unterlage für spätere Arbeiten" dokumentiert. Wenn auf der Baustelle gleichzeitig oder aufeinanderfolgend Arbeitnehmer mehrerer Unternehmen tätig sind, bestellt der Bauherr einen erfahrenen Baufachmann als Koordinator für Sicherheit und Gesundheitsschutz. Für die Phase der Bauvorbereitung ist ein Planungskoordinator und für die Phase der Bauausführung ein Baustellenkoordinator erforderlich. Planungs- und Baustellenkoordinator kann, muss aber nicht die selbe Person sein.

Verhüten ist billiger als vergüten

Die AUVA hat sich in Zusammenarbeit mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern um Unfallverhütung bemüht. "In den letzten zehn Jahren sind die Arbeitsunfälle um 22 Prozent zurückgegangen. Die AUVA hat in dieser Zeit ihr Präventionsbudget verdoppelt und damit ein Vielfaches an Ausgaben für teure Behandlungen und Unfallrenten sparen geholfen. Verhüten erweist sich immer billiger als vergüten", heißt es seitens der AUVA.

Die Bau-Enqueten 2000 richten sich besonders an Bauherren, Bauträger und Projektleiter sowie alle mit dem Bauwesen befassten Berufsgruppen, aber auch an alle - naturgemäß an der Sicherheit der Mitarbeiter besonders interessierten - Betriebsräte. Sie werden von der AUVA- Fachgruppe Bau, gemeinsam mit den Unfallverhütungsdiensten der AUVA-Landesstellen, dem Arbeitsinspektorat für Bauarbeiten, der Gewerkschaft Bau-Holz und der Wirtschaftskammer Österreich veranstaltet.

Heuer konnten bereits an sechs Orten in ganz Österreich Bau-Enqueten durchgeführt werden. Dabei war die Anmeldequote meist so hoch, dass bereits Wiederholungsveranstaltungen angesetzt werden mussten. "Es zeigt sich, dass es durchaus sinnvoll ist, Plattformen für Betroffene zu bieten, um sachlich und konstruktiv gemeinsam an einem Anliegen zu arbeiten - nämlich an der Senkung der Unfallzahlen", erklärten AUVA-Vertreter im Rahmen der Pressekonferenz.

Vorsorge setzt sich durch

In den letzten 15 Jahren hat sich die Unfallrate der Bauberufe halbiert, das heißt, während Mitte der 80er-Jahre noch jeder fünfte Bauarbeiter jährlich einen Unfall hatte, war 1998 nur mehr jeder elfte Bauarbeiter von einem Unfall betroffen. 1999 war jedoch leider ein leichter Gegentrend festzustellen - jeder zehnte Bauarbeiter hatte einen Unfall. Deshalb sind Bauherren und Planer in die Sicherheitsarbeit einzubinden.

Trotz geringerer Beschäftigtenzahlen im Bauwesen ist 1999 die Zahl der Arbeitsunfälle in dieser Branche gestiegen, es gab auch drei Tote mehr als 1998.

Unfallentwicklung in der Wirtschaftsklasse Bauwesen

1997
266.881 Versicherte
27.074 Arbeitsunfälle
63 Tote

1998
265.056 Versicherte
25.016 Arbeitsunfälle
58 Tote

1999
262.780 Versicherte
26.341 Arbeitsunfälle
61 Tote

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