US-Abgeordneter Tom Lantos über abgeschwächte Sanktionen gegen Österreich - Haider als "amoralischer Opportunist" - Kritik an Geschichtsunterricht in österreichischen Schulen

Vorausmeldung NEWS 11/00 v. 16.3.00

Wien (OTS) - Tom Lantos, demokratischer US-Abgeordneter und Verfasser einer berühmt gewordenen Resolution gegen Österreich im US-Kongress, nimmt in einem Interview für die morgen erscheinende Ausgabe des Wochenmagazins NEWS zu den innenpolitischen Problemen des Landes Stellung.

Anlass ist die Mitwirkung des von Hitler vertriebenen ungarischen Emigranten an Spielbergs Shoa-Dokumentation "Die letzten Tage" (Österreich-Start am Freitag).

Lantos über die Gründe der Abschwächung seiner Resolution: "Das ist in der derzeitigen Lage der für die US-Politik angemessene Ausdruck des Missfallens. Ich war sehr beeindruckt von Präsident Klestils Haltung und den großen Demonstrationen in einem Land, das nicht dafür bekannt ist, dass die Menschen ständig auf die Straße gehen. Auch versucht die neue Führung der FPÖ, sich von der besten Seite zu zeigen. Sie zeigt großes Interesse, nach Israel zu reisen, um den Botschafter zurückzuholen. Außerdem:

73 Prozent haben nicht FPÖ gewählt. Wir beobachten Österreich aber genau."

Über Haiders Rückzug: "Ein cleverer Schachzug. So kann er sich von unpopulären Maßnahmen der Regierung distanzieren. Er will ein großes Comeback, wenn die Regierung kollabiert ist."

Über Haider: "Ich will ihn nicht dämonisieren. Er ist ein äußerst rücksichtsloser, amoralischer, unverantwortlicher Opportunist von weit rechts außen, zugleich sehr charismatisch. Für Macht und Einfluss würde er alles tun. Seine Sozialpolitik wie der Kinderscheck ist hochpopulistisch. Die Menschen, die ihn wählen, sind keine Nazis, sondern ausländerfeindlich, haben Angst vor Einwanderung und Globalisierung. Man soll ihn nicht überschätzen. Auch in anderen Ländern gibt es solche politischen Führer. Man muss sie aber outen, denn sie dürfen in einem neuen, demokratischen Europa keine Zukunft haben. Sollten die wirtschaftlichen Verhältnisse schlechter werden, könnte sich ihre Wählerschaft erhöhen. Aber die Demokratie ist stabil in Europa, und die EU hat sich so klar von Haider distanziert, dass ich da keine Gefahr sehe."

Über den Grund, aus dem 27 Prozent der Österreicher trotz wirtschaftlichen Wohlstands Haider gewählt haben: "Im Gegensatz zu Deutschland hat Österreich seine Nazi-Vergangenheit verleugnet. In den Schulen gibt es keine systematische Aufklärungsarbeit. Man hat nicht oft genug die Filmdokumente gezeigt, die belegen, dass die Österreicher keine Opfer waren, sondern Hitler freudig willkommen geheißen haben."

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