"Unfallort Krankenversicherung" von Engelbert Washietl -

Ausgabe vom 15.3.2000

Wien (OTS) - Seit 1990 ist die Zahl der Arbeitsunfälle Erwerbstätiger im Bereich ASVG von 160.000 auf 110.000 zurückgegangen. Unternehmer, die mit einigem Erfolg gegen Unfälle vorsorgen und auch die Unfallversicherung ihrer Mitarbeiter zu 100 Prozent tragen, beginnen zu rechnen. Es rechnen ja alle, auch die Krankenversicherungen, denen die Kosten davonlaufen. Nach dem Versicherungsprinzip zahlen viele, ohne je eine Leistung zu beanspruchen, damit wenige in einem unangenehmen Versicherungsfall Hilfe erhalten. Daran darf sich nichts ändern. Verschieben sich aber innerhalb des Versicherungstopfs die Kostenpakete, so muss nachgebessert werden. Das kennt jedermann von den Autoversicherungen, die ihre Tarife je nach Spartenergebnissen anpassen. Obwohl es also immer weniger Arbeitsunfälle gibt, zahlen die österreichischen Unternehmen in Summe immer mehr für die Versicherung - zwölf Milliarden Schilling waren es 1999, das sind um zwei Milliarden mehr als 1995. Sie teilen sich mit den ASVG-versicherten Unselbstständigen auch die normale Krankenversicherung zu je 28 Milliarden Schilling (ebenfalls plus zwei Milliarden) - obwohl auch die Krankenstandstage seit 1995 von rund 40 auf rund 36 Millionen zurückgegangen sind. Einige Unternehmer fragen, wieso Betriebe, die durch einen kostspieligen Arbeitsschutz die Unfallrate senken, immer gleich hohe Versicherungsprämien einzahlen müssen - für andere, die nicht so gut sind. Allein bei diesem Gedanken hört man schon die Interessenvertreter aufheulen: Die Durchlöcherung des Versicherungsprinzips drohe, zu fürchten sei auch, dass die Unternehmer mit Druck Krankenstände verringern. Mit Klassenkampfparolen ist der Bankrott des Gesundheitssystems nicht aufzuhalten. Es hat keinen Sinn mehr, einzelne Schwachstellen zu vertuschen, wenn der ganze Organismus durch jahrzehntelange Überbeanspruchung krank wurde. Er wird auch nicht gesünder, indem man der Wirtschaft alle Folgen aufbürdet. Zuerst müssen überzeugende Rechnungen auf den Tisch. Selbstverständlich finanzieren Arbeitnehmer mit ihrem Einkommen die Gesundheit von Gruppen mit, die kein Einkommen haben. Und wenn die Rechnung stimmt, muss entschieden werden, was wir uns auf wessen Kosten leisten könnten beziehungsweise wollen. Unablässig Defizite zu vergrössern, ist keine Lösung. (Schluss) wash

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