Materialproduktivität in den letzten 40 Jahren um 72 % gestiegen

Wien (OTS) - Die Entnahme von natürlichen Ressourcen aus der
Natur kann in mehrfacher Weise zu Umweltproblemen führen. Zum einen kann ein Zuviel bedeuten, dass wichtige Lebensgrundlagen für künftige Generationen knapp werden. Zum anderen sind in der Regel mit der Gewinnung von Rohstoffen auch Belastungen der Umwelt z.B. durch Emissionen oder Abfälle verbunden. Um diese Vorgänge zu überwachen und nötigenfalls mit umwelt-politischen Maßnahmen einzugreifen, werden Materialflussrechnungen aufgestellt.

Die Statistik Österreich hat für 1997 sowohl die Entnahmen an Materialien, und zwar gegliedert nach Biomasse, Fossile und Mineralische Materialien berechnet als auch deren letztendlichen Verbleib als Bestandszuwachs, Abfall oder Emissionen quantifiziert. Mit Hilfe einer Zeitreihe über fast 40 Jahre konnten außerdem interessante Aussagen über die Produktivität des Materialeinsatzes getroffen werden.

Im Jahr 1997 wurden 29 Mio. Tonnen an fossilen, 109 Mio. t an mineralische Materialien und 54 Mio. t Biomasse der Natur entnommen. Das ergibt einen Gesamtinput von 191 Mio. t (pro Kopf-Verbrauch 24 t). Etwas mehr als zwei Drittel des Materialdurchsatzes stammt aus inländischer Entnahme. Der größte Teil des Imports, nämlich 42 %, wird von fossilen Materialien in Anspruch genommen. Für den Export werden 16 % des Materialinputs aufgewendet. Das sind etwa 31 Mio. t und diese setzen sich hauptsächlich aus mineralischen Rohstoffen und Holz zusammen.

Betrachtet man die Outputströme, so werden rund 68 Mio. t des Materialdurchsatzes als Emissionen und Abfälle in die Natur abgegeben. Weitere 31 Mio. t werden gezielt ausgebracht. 87 Mio. t, darunter 82 Mio. t mineralische Materialien, stellen Bestandszuwächse in Form von Bauten und Anlagen dar.

Obwohl Recycling stark thematisiert wird, zeigt sich, dass derzeit nur ein geringer Anteil von 5 % des Materialdurchsatzes wiederverwertet wird. Bedenkt man, dass etwa die Hälfte aller Abfallmengen auf Baurestmassen entfällt, stellt sich die Frage, ob das Wiederver-wertungspotential von Material auch nur annähernd ausgeschöpft wird. Lediglich in der Landwirtschaft werden größere Mengen, nämlich ca. 12 % des Gesamtdurchsatzes (Wirtschaftsdünger und Ernterückstände), wiedereingesetzt.

Interessanter noch als die Bilanzierung der Materialströme in einem Jahr ist eine Betrachtung der Entwicklung über die Zeit. Als sehr aussagekräftig erweist sich hier ein Indikator, der die im Inland verbrauchte Materialmenge darstellt (domestic material consumption = DMC). Er ist seit 1960 um 92 % angestiegen, während das Bruttoinlandsprodukt im selben Zeitraum aber um 231 % gewachsen ist. Daraus kann man ersehen, dass die Materialproduktivität in den knapp vierzig Jahren um 72 % verbessert werden konnte.

Gliedert man den Materialfluss in seine drei großen Ströme Biomasse, (vor allem landwirtschaftliche Produkte, Holz) Mineralische (u.a. Sand und Kies, Natursteine, Erze) und Fossile Materialien, (Kohle, Erdöl, Naturgas) so zeigen sich sehr interessante Details: Der Verbrauch an Biomasse ist über die Zeit nur sehr schwach gewachsen (+8 %), was nicht weiter überrascht, da er ja großteils (Ausnahme Holz) direkt oder indirekt zu Nahrungszwecken dient. Fossile Energie wird heute im Vergleich zu 1960 um etwa 60 % mehr konsumiert. Dies ist ein deutlich schwächerer Anstieg als es dem BIP-Wachstum entspricht und es zeigt sich damit eine erfolgreiche Entkoppelung vom Wirtschaftswachstum. Am stärksten ist der Indikator des heimischen Materialverbrauchs bei der Gruppe der Mineralischen Materialien gestiegen (+182 %), und zwar nur um etwa 15 % schwächer als die Wirtschaft in den knapp vierzig Jahren gewachsen ist. Der Pro-Kopf-Verbrauch war zuletzt (1997: 13,4 t pro Jahr) fast dreimal so groß wie 1960 (4,8 t pro Jahr). Dies ist ein besonders extremes Beispiel exzessiven Umgangs mit natürlichen Ressourcen.

Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte direkt an Dr. Susanne Gerhold, Abteilung Umwelt, Statistik Österreich, unter der Tel.-Nr.:
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