Psychiatrie - betrügt Kinder und setzt sie unter Drogen

Wien (OTS) - Als Vorstand der einzigen Österreischischen Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters protestiere ich mit aller Deutlichkeit gegen die in Wiener Schulen ausgeteilten Hochglanzbroschüren: "Psychiatrie - betrügt Kinder und setzt sie unter Drogen" (Schädigung des Lebens). Im Impressum wird die Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte angegeben und die Veröffentlichung wurde durch einen Zuschuß der Internationalen Vereinigung der Scientiologen publiziert.

Auf 37 Seiten wird ausgeführt, daß Kinder durch den Einsatz von Psychopharmaka von Kinder- und Jugendpsychiatern geschädigt werden. Gegen die Diffamierung des Berufsstandes der Kinder- und Jugendpsychiater ist mit aller Deutlichkeit entgegenzutreten, zumal sich die Österreichische Kinder- und Jugendpsychiatrie als ganzheitsmedizinisches Fach versteht. Dabei werden der Körperlichkeit, der Intellektualität, der Emotionalität und der Sozialisation gleiche Bedeutung zugemessen. Außerdem bemüht sich die Österreichische Kinder- und Jugendpsychiatrie um Netzwerkarbeit aller mit dem Kind befaßten Einrichtungen, um Teamarbeit von 10 Berufsgruppen wie Ärzten, Psychologen, Pflegepersonal, Diplomsozialarbeitern, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Diplompädagogen, Sonderkindergärtnerinnen, Logopäden und Lehrer. Besonderes Augenmerk wird den psychotherapeutischen Verfahren eingeräumt, wobei die Therapie zum Kind individuell wie ein Schlüssel ins Schloß passen muß. Der äußerst sparsame Umgang mit Psychopharmaka erfolgt ausschließlich nach ärztlicher und psychologischer Diagnostik, sowie pädagogischer Beobachtung. Speziell das ADHS-Syndrom (Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivität) unterliegt besonders strenger Diagnostik und extrem sparsamer Medikation, wie die Konsensusvereinbarung Österreichischer Kinder- und Jugendneuropsychiater 1988 generell festgelegt hat.

Eine Verunsicherung der Bevölkerung und eine Verunglimpfung eines Berufsstandes führt zu Mißtrauen in der Bevölkerung und zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung der uns anvertrauten Kinder.

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o.Univ. Prof. Dr. Max H. Friedrich
Vorstand der Universitätsklinik für
Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters
Tel.: (01) 40 400-3012 (Kliniksekretariat)

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