Umweltdachverband ÖGNU: Keine "Chemische Keule" gegen Kastanien-Miniermotte!

"Stummer Frühling in Wien"? - Gift-Einsatz ist "überflüssig"

Wien (OTS) - Vor einem "Stummen Frühling" in Wien warnt Friederike Spitzenberger (Umweltdachverband ÖGNU). Denn der Singvogel-Bestand nimmt stark ab. Mögliche Ursache: der Gift-Einsatz gegen die Kastanien-Miniermotte vernichtet die Futter-Insekten für die Vogeljungen. "Die Kastanien-Miniermotte ist harmlos, das Spritzmittel Dimilin ist es nicht", erklärt Gerhard Tarmann, Entomologe des Ferdinandeums Innsbruck und rät zum Gift-Verzicht.

Ab 1. April beabsichtigt die Stadt Wien wieder die "Chemische Keule" gegen Kastanien-Miniermotten einzusetzen. An die 14.000 Rosskastanien-Bäume sollen mit Dimilin besprüht werden, um der kleinen Motte den Garaus zu machen. Diese frißt sich durch Kastanien-Blätter, die dann welken und schon im Sommer abfallen. "Das ist zwar hässlich", aber die Rosskastanien würden den Motten-Befall "ohne größere Schäden überstehen", so der Innsbrucker Insekten-Forscher Tarmann. Schon nach einigen Jahren würden völlig entlaubte Bäume der Vergangenheit angehören, denn das mitteleuropäische Klima und natürliche Feinde brächten die aus dem wärmeren Südosteuropa stammenden Motten unter Kontrolle. Für den Experten ist eine "Bekämpfung überflüssig". Teuer ist sie aber auf jeden Fall: An die zehn Millionen Schilling würde die Gift-Ausbringung der Stadt Wien auch heuer wieder kosten.

Vor einem "Stummen Frühling" warnt die Zoologin Friederike Spitzenberger. Seit einigen Jahren konstatieren die Ornithologen von BirdLife eine starke Abnahme bei den Singvögeln in Wien: "Immer seltener lassen Amsel, Drossel, Fink und Star, aber auch Kohlmeise und Kleiber ihren Gesang im Frühjahr erschallen", berichtet die Zoologin und Vize-Präsidentin des Umweltdachverbandes. Mögliche Ursache: Dimilin vernichtet genau zur Brutzeit das Futter für die jungen Singvögel.

"In Salzburg wurde überhaupt noch nie von öffentlicher Seite gespritzt", erklärt Dagmar Breschar, Naturschutzbund Österreich-Sprecherin. Das Forstamt der Stadt Innsbruck stoppte schon vor zwei Jahren den Dimilin-Großeinsatz. Auch München rät von der "Chemischen Keule" ab und empfiehlt statt dessen, "gefallenes Laub sofort zu entfernen". Wien sollte den Gift-Einsatz endlich stopppen, sind sich Experten und Naturschützer einig.

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