"Neue Zeit" Kommentar: "Neue Taktik" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 10.3.2000

Graz (OTS) Noch vor wenigen Tagen hatte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erklärt, Jörg Haider und die FPÖ hätten einen Wertewandel vollzogen. Zum Positiven hat er wohl gemeint.

Spätestens seit dem Aschermittwoch-Austritt seines Partners beim Paktieren der schwarz-blauen Regierung, mit dem er Schulter an Schulter die Präambel unterzeichnet hatte, weiß es sogar Schüssel besser. Wer allerdings geglaubt hat, dass er sich deshalb auch nur von einer einzigen Haider-Ungeheuerlichkeit distanzierte, der hat sich vehement getäuscht. Schüssels neue Taktik ist: Dazu sage ich nichts. Der Kanzler sagt nichts über einen unerträglichen Kärntner Landeshauptmann, der ÖVP-Chef nichts über seinen Pakt-Partner von der FPÖ, der Mensch nichts über menschenverachtende Äußerungen. Dafür erhielt Wolfgang Schüssel gestern Standing Ovations von seinen Parteifreunden im voll besetzten Linzer Brucknerhaus. Von jenen Gefolgsleuten, die sich immer noch auf einem christlich-sozialen Fundament wähnen.

Nun weigert sich Schüssel zwar, etwas zu Haiders Rundumschlägen zu sagen, dafür fordert er von der SPÖ und den Grünen unverschämt den Schulterschluss mit seiner ÖVP und der Haider-Partei: Alle Parteien mögen am Dienstag im Parlament ein gemeinsames Vorgehen zu den Reaktionen aus dem Ausland beschließen. Weil er als Bundeskanzler dazu außerstande ist, soll also die Opposition das von Haider mutwillig zerschlagene Prozellan kitten.

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