"profil": Michel: Schüssel hat seine Ehre geopfert

Belgiens Außenminister attackiert Bundeskanzler Schüssel - will Regierung weiter isolieren - FPÖ "flirtet mit Teilen der Nazi-Ideologie"

Wien (OTS) - Belgiens Außenminister Louis Michel
kritisiert in einem Exklusiv-Interview in der Montag
erscheindenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins
"profil" Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erneut überaus
scharf. Michel über Schüssel: "Er hat alles geopfert, um
Kanzler zu werden. Auch seine Ehre."

Michel charakterisiert Schüssel als "intelligenten Mann,
der sich intellektuell artikulieren kann". Gerade deshalb
müsse der österreichische Bundekanzler in der Lage sein
zu erkennen, so Michel im "profil"-Interview, "dass in so
einer Konstellation Kanzler zu sein, jeglichen Reiz verliert,
nicht ehrenhaft ist und auch nicht glücklich macht".

Belgiens Außenminister fordert Bundeskanzler Schüssel
daher auf, die Koalition mit der FPÖ umgehend zu
beenden. Michel im "profil"-Interview: "Er muss einfach
verstehen, dass das Beste, was er für sich und sein Land
tun kann, die Beendigung des schwarz-blauen Experiments
ist. Das muss er aber schnell tun."

Der belgische Außenminister ist überzeugt, dass Wolfgang
Schüssel gewusst habe, dass er riskiert, sein Land in die
Isolation zu führen. Dies unter anderem deshalb, weil
Michel den nunmehrigen österreichischen Bundeskanzler
nach dem Scheitern der Regierungsverhandlungen
zwischen ÖVP und SPÖ in einem Telefongespräch
persönlich vor den Konsequenzen einer Koalition mit der
FPÖ gewarnt habe. Er habe damals, so Michel im "profil"-
Interview, wörtlich gesagt: "Das werden wir Euch nicht
verzeihen - ich nicht und Europa nicht. Denn ihr schafft
damit einen gefährlichen Präzendenzfall."

Erneut betont der belgische Außenminister, dass ihm seine unmittelbar nach der Regierungsbildung in Wien gemachte
Äußerung, Schifahren in Österreich sei unmoralisch, eine "emotionale Reaktion" gewesen sei, die ihm nunmehr
"wirklich leid" tue. Michel zu "profil": "Ich war
angewidert. Ich hätte nie geglaubt, dass Wolfgang Schüssel
einen Pakt mit Haider eingehen würde."

Der belgische Außenminister betont im "profil"-Interview
seine langjährige genaue Kenntnis der FPÖ und ihrer
Politik, da die freiheitliche Partei früher Mitglied der
Liberalen Internationale geweisen sei, der auch Michels
Partei angehöre. Michel: "Wir haben die FPÖ
ausgeschlossen, weil wir die Ablehnung des Anderen, die Fremdenfeindlichkeit und den virulenten Nationalismus
sahen und erkannten, das sie mit Teilen der Nazi-Ideologie
flirtet."

keinen Zweifel lässt der belgische Außenminister an
seinem Willen, die Sanktionen der 14 EU-Staaten
gegenüber der österreichischen Regierung weiter aufrecht
zu halten. Michel: "Mann muss die regierung Schüssel
weiter isolieren." Gleichzeitig wendet er sich aber gegen
einen Boykott Österreichs auf anderen Ebenen. Michel im "profil"-Interview: "Es gibt keinen europäischen Boykott
gegenüber den Österreichern. Keinen wirtschaftlichen. Und
ganz gewiss keinen kulturellen." Er hoffe im Gegenteil,
"dass sich die Beziehungen zwischen den belgischen und
den österreichischen Staatsbürgern auf allen Ebenen - auf
der ökonomischen, der politischen, der kulturellen -intensivieren."

Ausdrüclich befürwortet werden vom belgischen
Außenminister die Demonstrationen gegen die Regierung
gerichteten Demonstrationen in Österreich. Michel im "profil"-Interview: "Jetzt kann man - wenn mann die
Mobilisierung gegen die Regierung sieht - optimistisch
sein, dass da eine Bewusstseinserweiterung stattfindet. Der Widerstand zeigt, dass ein humanistisches und
demokratisches Österreich gibt."

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