LHStv. Bauer: ÖIAG-Verkauf: Belegschaftsvertreter erkennen klar die Bedeutung der Kernaktionärsrolle

Totalausverkauf würde Österreich als Wirtschaftsstandort enormen Schaden zufügen

St. Pölten, (SPI) - "Der Protest der Belegschaftsvertreter der ÖIAG-Unternehmen gegen eine totale Privatisierung und damit einen befürchteten Ausverkauf inländischer Kernindustrien in das Ausland kann nur voll unterstützt werden. Offensichtlich erkennen die Belegschaftsvertreter die Gefahren dieser Entwicklung klarer als die Verantwortlichen in der blauschwarzen Bundesregierung. Ein Ausverkauf österreichischer Kernindustrien ohne Rücksichtnahme auf die Sperrminorität und damit die Wahrung von Möglichkeiten der Mitbestimmung bei wichtigen wirtschaftspolitischen Unternehmensentscheidungen ist rundweg abzulehnen, ja ein solches Vorgehen gefährdet massivst nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Mitbestimmung bei zentralen Investitionen, bei Entscheidungen über die Unternehmenspolitik und birgt die Gefahr eines Abwanderns der Unternehmensleitungen. Österreichs Kernindustrien dürfen nicht "Anhängsel" eines ausländischen Konzerns sein, die Unternehmen müssen ganz im Gegenteil unabhängige "Mitspieler" am globalen Markt bleiben", kommentiert Niederösterreichs Landeshauptmannstellvertreter Dr. Hannes Bauer die gestern stattgefundene ÖIAG-Betriebsräte-Konferenz.****

Als Preis vielleicht kurzfristiger budgetärer Maßnahmen Interessen der regionalen Entwicklung, der Forschungstätigkeit, der Unternehmensleitung und der Kernentscheidungen der Unternehmenspolitik aus der Hand zu geben, würde sich bereits kurzfristig fatal auswirken. Österreich hätte keine Mitspracherechte mehr, industrie- und regionalpolitische Entscheidungen werden in ausländischen Konzernzentralen getroffen und diese hätten zudem eine nicht unwesentliche Handhabe im Rahmen von wirtschaftspolitischen Entscheidungen in Österreich selbst. "Dies kann doch nicht der Weg einer österreichischen Industriepolitik sein! Es darf einfach nicht aus der Überlegung einmaliger Substanzerlöse zu einem Verlust der Verfolgung nachhaltiger Entwicklungen und Erträge kommen. Auch unter Ertragsgesichtspunkten ist dieser Ausverkauf falsch, da die Erträge aus den Dividenden höher sind als die Zinsen. Schließlich werden ja die Aktien unserer Betriebe aufgrund der Ertragserwartungen gekauft", so Bauer.

"Ein Blick zu unseren Nachbarn zeigt auch, dass eine Beteiligungspolitik von entscheidender Bedeutung ist. In allen deutschen Bundesländern gibt es Bank- und Industriebeteiligungen, so z.B. in Bayern. Niemand denkt dort auch nur im entferntesten daran, dieses wertvolle Steuerungsinstrument einer eigenständigen Wirtschaftspolitik in fremde Hände zu geben. Auch der Energieriese Electricité de France (EDF) ist in Besitz der Französischen Republik und Beteiligungen dieses Konzerns werden in Österreich unverständlicher Weise unter dem Begriff "Privatisierung" medial verkauft. Durch die undurchdachte Vorgehensweise der Bundesregierung könnte es passieren, dass Österreichs Unternehmen, wie beispielsweise die Energieversorger, von staatlichen oder halbstaatlichen französischen oder deutschen Energieriesen aufgekauft werden. Das kann der Öffentlichkeit doch wohl nicht ernsthaft als "Privatisierung" verkauft werden. Ganz im Gegenteil wären die Unternehmen dann im staatlichen Einfluß anderer Nationen.

"Stabile Aktionärskerne sind zudem ein Schutzschild gegen ungewollte Übernahmen", so Bauer weiter. Es geht um Investitionen und Arbeitsplätze in Österreich. Aber es geht auch darum, wie internationale Studien und Analysen des Wirtschaftsforschungsinstitutes untermauern, dass die Kompetenz- und Entscheidungszentren von Großunternehmen am Stammsitz der Unternehmen anzutreffen sind. Eine Eingliederung von österreichischen Schlüsselindustrien in internationale Großkonzerne würde nicht ohne Rückwirkung auf die derzeitigen Österreichzentralen und -standorte bleiben.

"Wenn unsere Manager morgen nicht nach Frankfurt, Rotterdam oder Boston zum Rapport fliegen sollen, wenn wir auch morgen noch engagierten jungen Menschen Karrierechancen in Österreich bieten wollen, wenn wir an Forschung und Entwicklung und an einer industriepolitischen Identität Österreichs interessiert sind, dann dürfen wir die Kernaktionärsrolle der ÖIAG nicht aufgeben. Die Protestmaßnahmen der Beschäftigten finden daher meine volle Unterstützung", so LHStv. Dr. Bauer abschließend.
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