Neue Zeit Kommentar: Haider-Klon? (von Josef Riedler)

Ausgabe vom 11. 3. 2000

Graz (OTS) - Bundespräsident Thomas Klestil setzt alles daran, die Folgen des Haider-Schüssel-Bündnisses für Österreich in erträglichen Grenzen zu halten. In Gesprächen mit europäischen Spitzenpolitikern sucht er Verständnis für etwas zu erwirken, wofür er selber kaum Verständnis aufbringen kann: Für die Koalition der einst staatstragenden ÖVP mit der Haider-FP, die in der ganzen Welt als rechtsextremistisch, populistisch und rassistisch verschrieen ist. Und was geschieht in Österreich, während sich Klestil in Brüssel um ein besseres Klima abmüht? Der - vermutlich nüchterne -Noch-immer-Obmann der FPÖ, also ihr Führer Haider, beschimpft im Bierzelt vor einer johlenden Horde den französischen Präsidenten Chirac als "Westentaschen-Napoleon" mit moralischer Pinoccchio-Qualität. Zum amtierenden Bundespräsidenten meint er, "dass Waldheim nicht mehr ins Ausland konnte und Klestil nicht mehr ins Inland kann". Und damit alles klar wird, vergleicht er kritische Journalisten mit bissigen Hunden. Schon einmal hat ein Gerichtssachverständiger Haider bestätigt, dass solche Hetzreden alte Nazi-Sprache sind.

Die FP-Vizekanzlerin Riess-Passer beruft sich darauf, dass in Österreich Meinungsfreiheit herrsche, die VP-Generalsekretärin Rauch-Kallat verweist darauf, dass sie kein Kindermädchen sei. Und der Bundeskanzler Schüssel schweigt. In der Politik gilt eines: Wer schweigt, stimmt zu. Wenn Schüssel den Mund nicht bald aufmacht, wird der Bundeskanzler zum Haider-Klon. Armes Österreich.

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