"Oberösterreichische Nachrichten" - Leitartikel - Von Karl Danninger: Was schert uns der Haider?

Haider hat natürlich recht, wenn er sagt: ãWir brauchen keinen Westentaschl-Napoleon, dessen ausgestreckter Zeigefinger die moralische Qualität eines Pinocchio hat.Ò Nur sollte das demnächst einfache FP-Mitglied Haider den Satz nicht auf irgendjemand anderen als auf sich selbst beziehen. Aber dazu ist Haider nicht fähig. Mit seinem Aschermittwoch-Auftritt in Ried hat der blaue Möchtegern-Napoleon einige Sachverhalte bestätigt, die er ebenso vehement wie unglaubwürdig bestreitet: ¥ Haiders Antrieb ist der Zerstörungsdrang ¥ Haiders Methode ist die eines Jahrmarktgauklers ¥ Haiders Unterschrift zählt nichts ¥ Haider kann keine Verantwortung tragen, weil er sich in Opposition zu allem und jedem befindet. Einen Bundeskanzler Haider wird es deshalb nicht geben. Er wäre ein Widerspruch zu sich selbst.
Es ist nicht die Ideologie, die Haider gefährlich macht. Denn er vertritt in Wahrheit keine Ideologie. Seine Gedankenwelt ist ein Sammelsurium, in dem nur ein durchgängiges Prinzip auszumachen ist:
Egoismus. Dem Prinzip Egoismus dienen die unsäglichen Sager, ihm dienen die Verstellungen, deren sich Haider bedient Ð vom Yuppie über den biederen Lodenträger bis zum verkleideten Staatsmann.
Dem Prinzip Egoismus dient auch sein autokratisch beschlossener und verkündeter Rückzug von der Parteispitze. Während nämlich seine Nachfolgerin Ð und mit ihr die Partei Ð von der Beißhemmung der Gegner einer Frau gegenüber profitiert, kann Haider selbst seine aus persönlicher Unreife erwachsene Verantwortungslosigkeit in extensu ausleben.

Geht uns dieser Haider überhaupt noch etwas an? Er sitzt nicht in der Bundesregierung, er sitzt nicht im Parlament, er ist bloß Gouverneur in einer der kleinsten Regionen Europas. Er ist demnächst nicht einmal mehr Parteifunktionär.
Es besteht in der Tat die Chance, dass sich Haider in nicht allzu ferner Zukunft auf das reduziert, was er vorlebt: auf einen politischen Gaukler, dem zwar einige applaudieren, mit dem man aber keine Geschäfte machen möchte. Keine andere Reaktion verträgt der Egomane schlechter als die Frage: Was schert uns der? Sie weicht ihn auf und entwertet ihn.

Die Verantwortung, die Haider nicht tragen kann, liegt umso schwerer auf den Schultern der Partner sowohl in der Partei als auch in der Regierung. Aber weder Partei noch Regierung werden die Chance, die ihnen vielfach eingeräumt wird, nützen können, wenn sie sich nicht in absehbarer Zeit von Haider emanzipieren.
Dazu gehört auch und vor allem, dass sich Bundeskanzler Schüssel von dem Gedanken verabschiedet, er könnte der bessere Haider sein. Mit dem Haider-Stil wird diese Bundesregierung nichts gewinnen. Ihre Chance besteht in der nüchternen Sachpolitik, nicht in der Rhetorik, in einer Sachpolitik, die sich am Notwendigen orientiert. Es gibt genügend Probleme aus der Vergangenheit und für die Zukunft zu lösen. Sich da auch noch in Haider-Manier selbst in den eigenen Weg zu stellen, käme einer Selbstaufgabe gleich.

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