Schloss Gumpoldskirchen kehrt zur eigenen Geschichte zurück

Wiederverwendung als Deutsch-Ordenshaus

St.Pölten (NLK) - Einen neuen Höhepunkt gibt es in der wechselvollen Geschichte des Schlosses Gumpoldskirchen: Am kommenden Sonntag, 12. März, nimmt Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll die Wiedereröffnung des mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling renovierten und revitalisierten Schlosses vor. Das Haus wurde als Sitz der Ordensprovinz Österreich des Deutschen Ordens sowie eines Museums über den Deutschen Orden und die Hoch- und Deutschmeister, aber auch als Quartier des österreichischen Militärbischofs revitalisiert.

Die Bezeichnung "Schloss" trägt das das Ortsbild Gumpoldskirchens beherrschende Bauwerk aus der ursprünglichen Bestimmung her eigentlich zu Unrecht. Das Bauwerk geht auf eine von den Babenbergern errichtete Wehranlage aus dem frühen 12. Jahrhundert zurück, Teile des Mauerwerkes finden sich heute noch unterhalb der Schlosskapelle. Aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen der Rondell-Turm und einige andere Bauteile, die Gartenfront geht auf die Barockzeit zurück. Erst durch die Erhöhung um ein Geschoss im Jahr 1930/31 erhielt das Bauwerk sein stattliches und schlossähnliches Aussehen.

Seit 1241 betrieb hier der Deutsche Orden ein Weingut. Im 18. Jahrhundert gab es im Schloss die Bibliothek des Deutschen Ordens, die Anfang des 20. Jahrhunderts in das Zentralarchiv des Ordens in Wien überstellt wurde. Nach dem Zerfall der Monarchie 1918 wurde der Deutsche Orden als kaiserliches Lehen betrachtet, als Ehrenorden des Hauses Habsburg, dessen Vermögen einzuziehen sei. Erst durch den Rücktritt des letzten Hoch- und Deutschmeisters, des Erzherzogs Eugen von Österreich 1923, wurde diese Gefahr abgewendet. Der Orden erhielt jetzt einen rein klerikalen Charakter und verwendete das Schloss für karitative Zwecke: Fünf Ordensfrauen waren in der Hauskrankenpflege tätig.

Nach dem Umbau 1930/31 sollte das Haus dem Prior der Ordensprovinz Österreich, dem 1924 konstituierten Priesterkonvent und dem Zentralnoviziat des Ordens als Quartier dienen. 1938 wurde der Deutsche Orden durch die Nationalsozialisten aufgelöst, das Schloss zum "ersten Reichsweingut" Großdeutschlands erklärt und eine Forschungsanstalt für Weinbau eingerichtet. Nach Kriegsende zog die sowjetische Militärverwaltung ein, 1946 wurde das Schloss als kirchliches Eigentum zurückgegeben, 1947 stellte die Republik Österreich das Vermögen des wiedergegründeten Deutschen Ordens zurück. 1954 erfolgte unter Bundeskanzler Raab eine Instandsetzung. 1948 begann wiederum die karitative Tätigkeit: Im 2. Stock wurde das St.Josephs-Altenheim eingerichtet. 1982 sperrte die Weinkellerei zu, 1988 wurde das Heim geschlossen, das Schloss stand zehn Jahre lang leer.

Insgesamt sechs Revitalisierungsversuche gab es, um das Schloss wieder einer karitativen Verwendung zuzuführen. Sie scheiterten wegen mangelnder Größe und Unwirtschaftlichkeit des Hauses. Vor vier Jahren tauchte der Gedanke auf, das Schloss wieder im Sinne seiner einstigen Widmung zu verwenden. Mit Hilfe des Landes wurde dieser Gedanke auch in die Tat umgesetzt.

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