WWF präsentiert Plan für die Renaturierung von Somes, Theiß und Donau

Wien (OTS) - Die Naturschutzorganisation World Wide Fund For
Nature (WWF) präsentiert heute einen Plan zur Wiederherstellung des ökolgischen Gleichgewichts an den vor vier Wochen von einer Giftkatastrophe schwerstens geschädigten Flußabschnitten von Somes, Theiß und Donau.

Am 30. Jänner gelangten mehr als 100.000 m3 schwermetall- und zyanidhältige Abwässer aus einer Goldmine nahe der rumänischen Stadt Baia Mare in den Somes, von dort weiter in die Theiß und schließlich in die Donau. In den betroffenen Flussabschnitten sind hunderte Tonnen Fisch verendet, die Populationen der fischfressenden Wildtiere sind stark gefährdet und nicht zuletzt ist die Trinkwasserversorgung der Region massiv betroffen.

"Unsere Erfahrungen mit derartigen Katastrophen zeigen ganz deutlich, dass die Natur erstaunliche Selbstheilungskräfte entwickelt, wenn die flankierende Maßnahmen rechtzeitig gesetzt werden", bemerkt Erika Schneider, Expertin des WWF Aueninstituts in Rastatt, Deutschland, "in der nächsten Zeit müssen nun unterstützende Maßnahmen umgesetzt werden, damit die Flüsse mit der giftigen Fracht fertig werden."

Fünf Punkte Plan des WWF

Sofortmaßnahmen

1. Umgehende Erfassung und Entsorgung des contaminierten Schlamms, der sich noch immer in der Nähe des gebrochenen Abwasserbeckens befindet. Aufspüren und Entsorgung contaminierter Sedimente im Fluss-System. - Die Renaturierung der Fluss-Systeme ist nur dann möglich, wenn keine weiteren belasteten Abwässer eingetragen werden. Der noch immer vorhandene giftige Schlamm auf den Feldern rund um das Bergwerk ist eine ständige Gefahr. Darüber hinaus ist eine detaillierte Klärung notwendig, welche Zyanide und Schwermetalle ausgetreten sind.

Schadenserfassung und Monitoring zu Beginn des Renaturierungsprogrammes

2. In der betroffenen Region muss ein umfassendes Monitoring Programm zur Erfassung der Ausgangslage und der Projektfortschritte implementiert werden. - Dieses Programm sollte den Somes, die Theiß und die Donau umfassen und sowohl chemische Analysen liefern als auch eine vollständige Erfassung des biologischen Zustands der Fluss-Systeme gewährleisten. Besonders wichtigt ist die Beobachtung der Organismen und Wildtiere, die in Seitenarmen, Zubringerflüssen und Altarmen überlebt haben. Sie sind der Grundstock für die Wiederbelebung der zerstörten Ökosysteme sobald diese frei sind von Zyanid und Schwermetallen.

Reduktion bestehender Verschmutzung

3. Verbesserung der allgmeinen Wasserqualität der Fluss-Systeme -Erfahrungen nach ähnlichen Katastropen am Rhein und in der spanischen Donana haben gezeigt, dass die Erholung der Flusssysteme wesentlich von der Reduktion der allgemeinen Belastungen abhängt. Daher ist ein Aktionsplan zur Reduktion anderer Belastungen (Landwirtschaft, Industrie und Abwasser) vordringlich, die Erholung der Flüsse würde dadurch beschleunigt.

Renaturierung von Seitenarmen, Auen und Zubringerflüssen.

4. Schutz und Renaturierung von Auenökosystemen als genetisches Reservoir für die Wiederbelebung der Fluss-Systeme. - Ein vitales Auensystem ist bedeutend für die Wiederherstellung der Fluss-Systeme. Eine Analyse des ökolgischen Zustands der Auensysteme wird helfen die Selbstheilungskräfte der Fluss-Systeme einzuschätzten. Schutzmaßnahmen in den Auen und die verbesserte Anbindung von Altarmen an den Hauptstrom ermöglichen und verstärken die Erholung der geschädigten Abschnitte. Besonders wertvolle Auengebiete sollten unter Schutz gestellt werden und Renaturierungsmaßnahmen an den Zubringerflüssen begonnen werden. Das Renaturierungsprogramm sollte die Theiß-Auen (inklusive der Ukrainischen Anteile) und die Zubringerflüsse (Boodrog, Cris/Körös, Mures/Maros) umfassen. Diese Unterstützung der Selbstheilungskräfte der betroffenen Ökosysteme ist grundlegend. Maßnahmen wie die Auswilderung von Arten, können nur die letzte Option sein, falls sonstige Maßnahmen nicht greifen. Die Schutzmaßnahmen müssen auf die speziellen ökologischen und biogeographischen Gegebenheiten der Flüsse angepasst werden. Die Einsetzung nicht heimischer Arten muss auf jeden Fall vermieden werden.

Das Wiederherstellungprogramm muss auch die sozio-ökonomischen Bedürfnisse der Region berücksichtigten. Eine Plattform aller Betroffenen soll Anregungen für das Programm liefern.

Langzeitschutz und nachhaltige Nuztung

Implementierung eines Fluss-Management-Plans - Ein Managementplan für das Theiß-Flusssystem muss in Abstimmung mit den Richtlinien der EU geschaffen werden. Die wichtigsten Punkte: Verminderung der Wasserverschmutzung, Verhinderung weiterer Katastrophen durch die Lagerung giftiger Abfällen, Wassermanagment und Hochwasserkontrolle. Darüberhinaus ist ein Langzeitkonzept für Schutz und Renaturierung des Fluss-Systems notwendig.

"Es besteht kein Zweifel, dass der Fluss durch den Zyanid-Eintrag dramatisch geschädigt und verändert wurde", meint Laszlo Haraszthy, Direktor des WWF Ungarn, "aber mit sorgfältig geplanten Maßnahmen können wir die Selbstheilung des Flusses unterstützen und dafür sorgen, dass das Leben an seine Ufer zurückkehrt."

Dem WWF zufolge soll die neugegründete Taskforce der EU gemeinsam mit den Regierungen von Ungarn und Rumänien die Leitung und Koordination des Programms übernehmen. "Wir brauchen ein gut geplantes Programm, das die Bemühungen von vielen Organisationen vereint", merkt Philip Weller, Direktor des WWF Donau - Karapten -Programms und Mitglied der EU Taskforce an.

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