WirtschaftsBlatt über Geldgeschäfte hinter dem Vorhang von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Die österreichischen Banken sind in einer schwierigen Situation, aber nicht nur deshalb, weil ihre Erträge sinken 1999 um fast zehn Prozent.

Die von der niederösterreichischen Arbeiterkammer behaupteten Praktiken im Kreditsektor sind, falls die Vorwürfe nicht nur ein billiger Beitrag zur Arbeiterkammerwahl sind, ein Skandal. Manche Banken haben tatsächlich ein gestörtes Verhältnis zu ihren Kunden. Allein der Verdacht, sie hätten nach der Hochzinsphase bei sehr vielen Kreditnehmern ein lautloses Schröpfsystem angewandt, untergräbt ein fundamentales Prinzip: Geldgeschäfte beruhen auf Vertrauen. Das Gegenteil ist aber der Fall, wenn sich auf der einen Seite der Kreditgeber zehnfach gegen Missbrauch absichert, der Kreditnehmer aber nicht einmal die Chance bekommt, zu durchschauen, ob alles mit rechten Dingen zugeht oder nicht. Genau das ist aber der Fall. Die Rationalisierungswelle, die nach den fetten Jahren den Geldsektor voll erfasst hat, ist unvermeidlich, hat aber mitunter kuriose Auswirkungen. Bankkunden, die bis vor wenigen Jahren von engagierten Beratern und Schalterbediensteten geradezu über den Tisch gezogen wurden, beobachten verblüfft, wie die letzten übrig bleibenden Hilfespender aus der Schalterhalle hinter undurchsichtigen Korkwänden oder überhaupt in andere Etagen verschwinden. Die Kunden werden fast unsanft zu automatischen Stempeln, Einwerfkästen und neuerdings zum Computer mit Internetanschluss abgedrängt. Nur keinen Körperkontakt - und am Schalter, der plötzlich Express-Schalter heisst, bitte keine dummen Fragen. Es handelt sich um einen bizarren Transfer: Wenn es schon falsch genug ist, dass moderne und controllingbewusste Unternehmen die eigenen Mitarbeiter nur als Kostenfaktoren einstufen, so ist es geradezu abwegig, auch die Kunden als Wegelagerer zu betrachten. Den Banken geht es nicht anders als vielen Unternehmen, denen der Wind ungewohnter Konkurrenz ins Gesicht fährt. Die Kunden sind besser informiert und haben mit dem Internet ein Werkzeug, das sich auch als Hebel einsetzen lässt. Der heimliche Griff in fremde Taschen kann kurzfristig eine Ergebnisposition verbessern. Auf lange Sicht werden aber auch im Bankensektor nur jene Institute die Oberhand behalten, die sich Menschen und nicht den problemloser zu handhabenden Kontonummern verpflichtet fühlen. (Schluss) was

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