"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Tag der Frauen" (von Irene Rapp)

Ausgabe vom 8. 3. 2000

Innsbruck (OTS) - Der heutige Internationale Frauentag fand in Österreich bereits zu Jahrhundertbeginn auf der Straße statt: So wurde am 8. März 1911 in Wien tausendfach das Frauenwahlrecht eingefordert.

Jahrzehnte später sind die Hürden für die Österreicherinnen nur unwesentlich geringer worden. Zahlreiche Studien beweisen, dass Arbeitnehmerinnen immer noch um ein Drittel weniger als Männer verdienen. Angesichts fehlender Kinderbetreuungseinrichtungen u nd unflexibler Arbeitszeiten leisten Frauen Unvorstellbares, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Über eine halbe Million Seniorinnen verfügt über keine Altersversorgung. Ganz zu schweigen von den Vorwürfen, denen etwa Nur-Hausfrauen oder beru fstätige Mütter ausgesetzt sind.

Der Frauentag wird daher heute wieder vielfach auf der Straße begangen. Im Mittelpunkt der Proteste steht die schwarz-blaue Regierung, der eine Zurück-an-den-Herd-Politik vorgeworfen wird. Dazu beigetragen haben mag nicht nur die Auflösung des Frauenmini steriums. Auf eine mögliche Verdrängung der Frauen vom Arbeitsmarkt wurde zuletzt auch immer wieder von Arbeitnehmervertreterseite aufmerksam gemacht.

Aufmerksamkeit ist daher angebracht. Frauenpolitik darf nicht über Familienpolitik abgedeckt werden. Dazu kommt die Berücksichtigung vielfältiger femininer Lebensformen. Wie schwierig es für Frauen nach wie vor ist, Fuß zu fassen, hat jedoch die National ratswahl bewiesen: Zwar gibt es nun fünf Frauen in der Regierung, im 183-köpfigen Nationalrat ist ihr Anteil jedoch gesunken. Im Parlament ist die Bevölkerungsmehrheit nur mehr durch 49 Frauen vertreten.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung,
Chefredaktion,
Tel.: 0512/5354 DW 601

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS