WirtschaftsBlatt über Die Wirtschaft zieht der Politik auf und davon von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - In Österreich existieren derzeit zwei Geschwindigkeiten. Da ist zunächst die Dynamik, die von einzelnen Unternehmen erzeugt wird. Und dann existiert da auch eine politische Welt, deren Vertreter der ökonomischen Geschwindigkeit bestenfalls im Zeitlupentempo folgen können. Welche Massstäbe die Unternehmen setzen, lässt sich anhand von nur drei Beispielen zeigen:

- Die burgenländische Pharmafirma Sanochemia entwickelte zuletzt das bahnbrechende Alzheimer-Präparat Reminyl und ein Rückenschmerzmittel. Sanochemia zählt am Neuen Markt in Frankfurt inzwischen zu den Top 5 von insgesamt 225 Unternehmen.

- In Leoben entwickelt AT&S gerade eine neue Leiterplatten-Generation: Künftig werden Chips direkt in die Leiterplatten integriert. So nebenbei produziert die Androsch-Firma täglich 80.000 Handy-Leiterplatten und ist damit weltweit die Nummer eins.

- Der oberösterreichische Wasseraufbereitungskonzern BWT hat eine Technologie entwickelt, die den kommerziellen Einsatz von Brennstoffzellen zur Energiegewinnung wirtschaftlich sinnvoll macht. Stellt sich also die Frage, wie die Politik auf die Vorgaben der Wirtschaft reagiert oder gar selbst initiativ wird. Nun lässt die neue Regierung einigen Reformwillen erkennen, kann ihn aber mangels Kompetenz nicht realisieren. Beispiel ÖIAG: Da soll ein neuer Aufsichtsrat bestellt werden, um alte, rot-schwarze Bruderschaften zu entbandeln. An sich eine gute Idee - aber der neue Finanzminister will das Ganze mit Brachialgewalt durchziehen. Von ihm beauftragte Head Hunter revoltieren bereits, weil sie - wie verlangt - binnen zwei Wochen keine seriöse Liste möglicher Kandidaten erstellen können. Solche Hoppalas lassen für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Dummerweise fehlt es an Alternativen. Die Gewerkschaften und ihr Wurmfortsatz SPÖ können nicht begreifen, dass die Industriegesellschaft dem Ende zugeht, und dass die Informations- und Dienstleistungsgesellschaft neue Verhältnisse schafft, womit etwa Diskussionen um Frühpensionen anachronistisch sind. Statt sich, etwa im Parlament, wie eine Horde Taferlklassler aufzuführen, müssten die politischen Kräfte in diesem Land gemeinsam ein machbares Reformkonzept erarbeiten. Die Zeit drängt. Denn wenn auch die Hunde bellen - die Karawane zieht weiter. (Schluss) wu

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