"Was Wiener KonsumentInnen wollen..."

Zufriedenheit mit Ladenöffnung und Nahversorgung, Angst vor Gentechnik

Wien, (OTS) Im Rahmen eines Pressegesprächs legte Konsumentenstadträtin Mag. Renate Brauner am Montag Detailergebnisse des Wiener Konsumentenmonitors vor. Diese Meinungsumfrage des Gallup-Instituts, deren erste von vier
Tranchen nun vorliegt, nimmt laut Brauner "die Wünsche und Bedürfnisse, aber auch den Ärger und die Unzufriedenheit der KonsumentInnen genau unter die Lupe”. Sie betonte weiter, die Studie sei in Auftrag gegeben worden, um den Konsumenten und die Konsumentinnen empirisch zu erfassen.

Die KonsumentInnen seien demnach mit der Nahversorgung und
mit den Öffnungszeiten hoch zufrieden. Große Verunsicherung plagen die WienerInnen beim Dauerbrenner Gentechnik. Eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges sieht Brauner in der hohen Akzeptanz der Servicenummern der Stadt. Als erste Reaktion kündigte sie an, sowohl die Kontrollen der Lebensmittelaufsicht, aber auch das Konsumentenservice in Ernährungsfragen und Lebensmittel gezielt auszuweiten.****

In Richtung der neuen Bundesregierung äußerte sie die Befürchtung, Konsumentenschutz werde nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet. Die Agenden seien, anstatt ein eigenes Ministerium zu betrauen, aufgeteilt worden. Als konkretes Beispiel, wo Brauner Nachteile erwartet, ist die Novelle zum Preisauszeichnungsgesetz,
wo es KonsumentInnen erschwert werden könnte, Preisvergleiche anzustellen.

Hohe Zufriedenheit mit Nahversorgung (67 Prozent) und Ladenöffnungszeiten (82 Prozent)

Die WienerInnen scheinen mit dem Grad der Versorgung durch
die unterschiedlichsten Dienstleistungen sehr zufrieden zu sein. Dies bezieht sich auf die Frage, ob man mit der Anzahl der Lebensmittelgeschäfte in der Umgebung zufrieden sei. 67 Prozent sind zufrieden, hingegen antworteten nur 13 Prozent sie seien unzufrieden. Ebenso positiv werden die Ladenöffnungszeiten
gesehen. Überzeugende 82 Prozent der Befragten sind sehr bzw. zufrieden mit den bestehenden Regelungen.

Die Interviewer gingen im Detail der Sache auf den Grund, in welchen Bereichen eine gute oder eine schlechte Versorgung gegeben sei - mit durchaus positiven Benotungen. Die besten Noten
erhielten Ärzte (78 Prozent), Banken und Versicherungen (77 Prozent) und Krankenhäuser (58 Prozent). Auch die Wiener Märkte erhielten mit 52 Prozent eine hohe Zustimmung. Als einziger
Bereich schnitt die Möbelbranche mit 42 Prozent Unzufriedenen überdurchschnittlich schlecht ab.

Brauner: "Die Wiener und Wienerinnen sind mit der gegebenen Nahversorgung im Lebensmittelhandel und den derzeitigen Öffnungszeiten ungemein zufrieden. Im Großen und Ganzen gibt es aus der Sicht der Bevölkerung subjektiv keine Unterversorgung. Bis auf zu wenig Möbelgeschäfte und -häuser haben die WienerInnen in ihrer direkten Umgebung nichts auszusetzen.”

Der Faktor Glaubwürdigkeit: Von Bio-Produkten und artgerechter Tierhaltung

Eine interessante Überprüfung, ob bestimmte Produktangaben wie "Bioanbau", "aus artgerechter Tierhaltung", "ohne Kinderarbeit hergestellt" etc., die für KonsumentInnen und ProduzentInnen sehr en vogue zu sein scheinen, ergab ein sehr differenziertes Bild:
Bei den Antworten, ob das Getreide vom Biobauernhof oder das
Fleisch von "glücklichen” Tieren kommen, sind sich die KonsumentInnen nicht ganz sicher. 40 Prozent halten die Angaben "biologisch kontrolllierter Anbau" und "aus artgerechter Tierhaltung” für glaubwürdig, obschon sich jeder/jede Vierte gleichzeitig skeptisch äußerten. Die Skepsis überwiegt allerdings bei den Antworten, ob Produkte "ohne Kinderarbeit hergestellt” (40 Prozent nicht glaubwürdig), "unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt” (40 Prozent nicht glaubwürdig) und "Händler bekommen einen fairen Preis" (39 Prozent nicht glaubwürdig) sind. Allergrößte Zurückhaltung wird an den Tag gelegt, wenn die Frage gestellt wird, inwieweit das Label "gentechnikfrei” stimmt. Fast 50 Prozent der Befragten bezweifelt dies.

Entschlossen beim Einkauf auch aufs Gewissen zu hören, geben sich die Befragten bei Bio-Produkten (zwei Drittel kaufen oft bzw. gelegentlich) und artgerechter Tierhaltung (drei Viertel). Hier
gibt es eine extrem hohe Bereitschaft für ehrliche Qualität auch mehr auszulegen. Diese Ausprägung trifft allerdings nicht auf die Kategorie "Dritte Welt Produkte” zu. Diese Waren werden ausgesprochen selten gekauft, man ist auch nicht bereit, dafür
mehr zu bezahlen.

Worauf achten die WienerInnen beim Einkauf?: Hier zeugen die Daten von ausgeprägtem Preis-Leistungsbewusstsein. 96 Prozent schauen
auf die Qualität zuerst. Das Ablaufdatum interessiert 92 Prozent und der Geschmack bei Lebensmittel 91 Prozent. Noch immer 87
Prozent achten auf den Preis und 79 Prozent auf die Marke, was die derzeitige Bewerbungsaktion des Handels zu unterstreichen scheint. Zusatzstoffe, Nährwertangaben oder etwa ein Trans-Fair-Siegel rangieren weit danach als Kriterien für den Griff ins Regal.

"Es ist nicht immer drin, was drauf steht” - unter diesem Motto fasst die Wiener Konsumentenstadträtin die Haltung zusammen. "Die Konsumenten sind aufgeklärt und mündig. Diese sind bereit, für besondere Produkte tiefer in die Taschen zu greifen. Gleichzeitig schenken sie nicht jeder Angabe bedingungslos
Glauben. Das Einkaufsverhalten wird geprägt von Qualitätsbewusstsein. Qualität, Ablaufdatum, Geschmack und der Preis geben den Ausschlag beim Kauf”, freut sich Brauner.

Angstfaktor Gentechnik: Vier Fünftel fühlen sich zu wenig informiert

Besondere Bedeutung kommt bei den VerbraucherInnen der Gentechnik zu. Diese achten darauf, ob die Produkte gentechnikfrei sind (ein Drittel oft und ein Viertel gelegentlich). Ähnlich kritisch und zurückhaltend sind die Antworten, ob die
Kennzeichnung über gentechnisch veränderte Rohstoffe ausreicht. Vier Fünftel sagen, sie fühlen sich "eher zu wenig" oder "viel zu wenig informiert", ob an den Lebensmitteln gentechnisch
manipuliert worden ist. Lediglich 15 Prozent halten die Infos für ausreichend. Unterschiedlich ist die Angst bei Frauen und Männern ausgeprägt: Denn Frauen fühlen sich deutlich (um sieben Prozent) weniger informiert als Männer.

Hohes Umweltbewusstsein legen die WienerInnen an den Tag,
wenn es darum geht, die Informationsdefizite festzumachen. Da
reihen sich unter den am meisten genannten Gründen für Infodefizite gentechnisch veränderte Rohstoffe (64 Prozent), radioaktiv bestrahlte Produkte (63 Prozent) und Produkte mit Hormonrückständen (55 Prozent) ein. Die Verdorbenheit von Waren (ein Viertel) und Lebensmittelzusatzstoffe (ein Drittel) interessieren hingegen weniger.

"Die Gentechnik ist ein relevantes wenn nicht Angst auslösendes Thema für die WienerInnen. Vor allem Frauen machen sich hier Gedanken über die Aussagekraft der Warenbezeichnung. Sie wünschen eine klare Deklaration. Ein entwickeltes Sensorium
besteht ebenso bei verwandten Gefahren wie Radioaktivität und Hormonbehandlung”, konstatiert Brauner die Detailergebnisse.

Ein Grund zum Ärgern: Ware ist nicht frisch, schlechte Qualität oder Geschmack ...

Die Gründe, warum sich die VerbraucherInnen vor den Warenregalen oder spätestens zu Hause ärgern, liegt darin, dass die Ware nicht frisch ist (42 Prozent), die Ware von schlechter Qualität ist bzw. schlecht schmeckt (je 38 Prozent). Weniger Grund für einen Adrenalinausstoß bietet hingegen mangelhafte Produktkennzeichnung oder ein überhöhter Preis. Bei Gebrauchsgegenständen (beim Fernseher, der Waschmaschine oder bei Kleidungsstücken) nennen die Interviewten als Gründe das Produkt geht zu schnell kaputt, die Bedienungsanleitung ist unverständlich oder das Produkt sei schlecht.

Im vergangenen Jahr, so das Resumée, hatte sich der Unmut der KonsumentInnen vor allem auf Erfahrungen mit Lebensmittel
focussiert (41 Prozent "Ärgerfaktor”). Dahinter reihen sich elektrische Geräte (28 Prozent), öffentliche Ämter und Dienstleistungen (27 Prozent), dann Handwerker/private Dienstleistungen gleich mit Banken und Versicherungen bei 23 Prozent.

"Dass man sich über den bereits schimmligen Käse oder das bereits angefaulte Obst ärgert, wundert kaum”, so die Erkenntnis von Stadträtin Brauner. "Allerdings sollte zu denken geben, dass sich die BürgerInnen noch immer zu oft über den Kontakt mit den Behörden sowie mit Banken und Versicherungen aufregen. Hier gilt es, am Image und an der Performance zumindest des Magistrats als Dienstleister weiter zu arbeiten”, gibt sie sich zuversichtlich.

Bestätigung des Magistrats-Service durch hohe Bekanntheit der Servicestellen

Ein hervorragendes Attest erhält Wien als moderne, kundenorientierte Stadtverwaltung im Konsumenten-Monitor. Fast
alle Servicestellen in Wien erfreuen sich exorbitant hoher Bekanntheit: Etwa das Wohntelefon mit 88 Prozent, das Lichttelefon mit 86 Prozent, der Ärztefunkdienst mit 84 Prozent. Erfreulich aus Sicht der Geschäftsgruppe Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal ist die Bekanntheit der Lebensmittelberatung der Lebensmitteluntersuchungsanstalt der
Stadt Wien (78 Prozent), der Tierschutzhotline des Veterinäramtes (77 Prozent), des Frauentelefons der Frauenabteilung der Stadt
Wien (66 Prozent) oder das Marktamt mit 59 Prozent.

Relativiert wird das ausgeprägte Wissen um diese
Einrichtungen von der Inanspruchnahme. Nur wenige BürgerInnen nutzen das Know-How der Abteilungen ihrer Helplines auch im
Bereich des Konsumenten- wie des Tierschutzes sowie im
Frauenbereich auch tatsächlich. Kompetenz zu 96 Prozent und Verständlichkeit zu 95 Prozent sind wesentliche Merkmale, warum Servicestellen in Anspruch genommen werden. Auch Freundlichkeit zu 92 Prozent, Erreichbarkeit zu 92 Prozent und "Service gratis" 89 Prozent zählen bei KundInnen.

Brauner dazu: "Es ist erfreulich, dass das Service der Stadt Wien allgemein bekannt ist, weniger positiv ist jedoch, dass es weniger in Anspruch genommen wird. Dies ist einerseits gerade beim Frauentelefon ein Hinweis, dass beispielsweise viele Frauen vom Service wissen, nicht oft darauf zurückgreifen müssen. Andererseits ist es ein Ansporn, die KundInnen noch stärker auch zum Benutzen der diversen Helplines zu animieren.”

Politik soll noch stärker bei Konsumentenproblemen aufklären

Die KonsumentInnen haben das Gefühl von Gesellschaft und Politik bei den Problemen im Stich gelassen zu werden. Über die Hälfte meinen, die Probleme des Konsumentenschutzes werden eher zu wenig beachtet, ein weiteres Viertel sehen wenig Engagement. Ein Fünftel sehen das Engagement der Gesellschaft, der Politik als ausreichend an. Gleichzeitig glauben sie fest daran, dass die Politik zu zwei Drittel beim Schutz von KonsumentInnen-Interessen helfen kann.

Wie kann die Politik, die Verwaltung hier helfen? Darauf vertreten die WienerInnen eher eine harte Linie. 71 Prozent wollen Kontrollen, 44 Prozent Strafen und 43 Prozent gesetzliche Regelungen. Auch Informationen (42 Prozent) und fachliche Beratung (35 Prozent) werden häufig angeführt. Die beliebteste und wohl am besten rezitierteste Form für Information und Beratung ist das Fernsehen (fast die Hälfte), Artikel in Printmedien (in Zeitschriften 38 Prozent, in Broschüren 34 Prozent). Infos per Servicetelefon oder in persönlicher Beratung (rund ein Drittel der Wünsche nach Betreuung).

Hier zieht Renate Brauner die Lehre, dass "auf die
Bedürfnisse der Menschen und die Erwartungen in die Politik und zwar in mehrere Richtungen viel intensiver eingegangen werden muss.” Sie kündigte an, dass in Wien sowohl der kontrollierende Arm der Lebensmittelaufsichtbehörde trotz der über 31.000 Revisionen und 17.000 Proben in den 19.000 Wiener Lebensmittelbetrieben pro Jahr noch zielgerichtete Revisionen durchführen wird. Hier sollten ihrer Meinung nach, die Spezialfahndungen nach bestimmten Waren oder in bestimmten
Branchen (allein 1999, 171) als Mittel stärker eingesetzt werden.

Andererseits wird auch dem Bedarf nach persönlicher Betreuung durch die Lebensmitteluntersuchungsanstalt, das Marktamt und dem Veterinäramt Rechnung getragen. Die Strategie mit erfolgreichen öffentlichen Veranstaltungen wie dem Tierschutztag oder den Konsumententagen werde heuer mit mehr öffentlichem Auftritt konsequent weiterverfolgt. Das Service der LebensmittelexpertInnen der MA 38 und des Veterinäramtes, so die Willensbekundung Brauner, werde neuorganisiert und ausgebaut.

Kein konsumentenpolitischer Rückschritt bei Preisauszeichnungen

Abschließend gab die Wiener Konsumentenstadträtin Brauner ihrer Befürchtung Ausdruck, dass die nunmehr auf mehrere Ministerien - Soziales und Justiz - aufgesplitteten Agenden des Konsumentenschutz Schaden erleiden könnten. "Österreich braucht weiterhin, und das belegen diese Umfragewerte eindrucksvoll, eine aktive Konsumentenschutzpolitik", so Brauner.

Erstes warnendes Beispiel für Änderungen in der bisher so erfolgreichen Strategie, sei die Novelle zum Preisauszeichnungsgesetz. Im vorliegenden Entwurf des Wirtschaftsministeriums habe die Expertise der Arbeiterkammer
keinen Niederschlag gefunden. Wien hat in einer Stellungnahme dringlich darauf hingewiesen, dass, obschon eine Anpassung an eine EU-Richtlinie vorgenommen wird, die KonsumentInnen weiterhin Preisvergleiche anstellen müssen. Bisher mussten Preise mit Gütebezeichung und Verkaufseinheit (Bsp. Kilogramm, Stück etc.) angegeben werden. Nun soll der Handel entscheiden, in welcher Einheit die Waren ausgezeichnet werden. Anstatt eines Kilopreises für Äpfel, so ein Beispiel, dürften diese künftig nur mehr im Stückpreis ausgezeichnet werden.

Natürlich sollte der Einzelhandel wie beispielsweise Geschäfte mit kleinen Kantinen oder Buffets nicht mit übermäßigen Vorschriften belastet werden. "Unakzeptabel", urteilt Brauner, "wäre jedoch die vorgesehene Regelung, dass alle Unternehmen mit höchstens neun vollzeitig Beschäftigten generell von der Preisauszeichnung ausgenommen werden. Dies wäre ein absoluter Rückschritt für die VerbraucherInnen." Wien schlägt daher vor, diese Ausnahme auf den Umfang des Warensortiments (eventuelle bis 200 Artikeln in Selbstbedienung) abzustellen, schloss Brauner mit einem Kompromissvorschlag. (Schluss) wb

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