"Neue Zeit" Kommentar: "Altes Muster" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 3. 3. 2000

Graz (OTS) - Es ist symptomatisch, wo die Regierungspartei FPÖ
nach unseligem Muster beginnt, ihre Ideologie in die Tat umzusetzen:
in den vermeintlich elitären Bereichen von Kunst und Wissenschaft. Neu ist, dass der Regierungspartner ÖVP offenbar um den Preis des Kanzlers bereit ist, Österreich zu einem Land der "Sumperer" und "Dümpflinge" machen zu lassen.

Wenn ein Herr Westenthaler als einen der ersten Durchgriffe der neuen Macht die radikale Streichung der Kulturförderung verlautbart, wenn Finanzminister Grasser zum Grazer Kunsthaus keinen Groschen Bundesmittel beitragen will, dann braucht man nicht mehr darüber philosophieren, ob die FPÖ einen Wertewandel vollzogen hätte. Ganz im Gegenteil, jetzt kann sie ihre immer schon vertretenen "Werte" ungeniert in der Praxis umsetzen.

Menschen wie dem Grazer Kulturstadtrat Strobl oder seinem Wiener Kollegen Marboe müsste sich angesichts dieser kunstfeindlichen Haltungen eigentlich der Magen umdrehen. Aber sie schweigen zur Duldung, ja nicht selten sogar Verteidigung, durch ihren Parteivorsitzenden Schüssel.

Eine Kulturinitiative hat auf der Wiener Großdemonstration gegen die Regierung eine Zeitung verteilt, die mit einer an ein berüchtigtes Goebbels-Zitat angelehnten Frage aufgemacht war: "Wollt ihr den totalen Volkstanz?" stand dort zu lesen. Wenn der Bundeskanzler seinen Koalitionspartner in der Kulturpolitik weiter so fuhrwerken lässt, könnte die FPÖ aus dieser Frage schon bald einen Imperativ gemacht haben.

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