WirtschaftsBlatt -

"Ein Fenster für steuerfreie Geschenke" von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Wenn die Ankündigungen der Regierung zum Ende des anonymen Sparens verwirklicht werden, tut sich zwischen 1. November 2000 und 30. Juni 2002 ein gesetzliches Fenster zur steuerfreien Vermögensübertragung auf: Sparbücher sollen für diese Zeit von der Schenkungssteuer befreit werden. Die noble Geste ist nicht ganz logisch, denn das steuerfreie Vererben von Sparbüchern, die der KESt unterliegen, ist mit und ohne Anonymität weiterhin gegeben. Für die Übergangszeit soll aber nicht nur das erbschaftsteuerfreie Vererben, sondern auch das schenkungssteuerfreie Verschenken von privaten Sparbüchern möglich sein Verschreckte Grossmütter, die sich schon verschmitzt darauf freuten, dass ihr Enkerl ein Sparbuch erbschaftsteuerfrei bekommen wird, könnten jedoch durch den Wegfall der Anonymität in unbegründete Panik geraten und das gesparte Geldvermögen schon zu Lebzeiten steuerfrei und offiziell übergeben wollen. Ihnen soll geholfen werden. In aller Stille können Sparbücher natürlich auch jetzt geschenkt werden. Wie dem auch sei, wenn die angekündigte Regelung kommt, ergibt sich die Chance, geplante Schenkungen an Kind, Frau oder Freundin steuerfrei über die Bühne zu bringen. Besonders an die Freundin wäre dies vorteilhaft, denn die würde andernfalls am meisten Schenkungssteuer zu zahlen haben. Theoretisch könnte man auch Sachgüter auf diese Art übertragen, indem man z.B. ein Sparbuch mit einer Million Schilling schenkungssteuerfrei übergibt und der Begünstigte sich mit dem Geld ein Luxusauto kauft. Wer sein Schwarzgeld chemisch reinigen möchte, könnte versuchen, es auf ein Sparbuch zu legen und sich dieses Sparbuch von einem begüterten Verwandten "schenken" zu lassen. Dann ist die Herkunft des vielen Geldes beweisbar. Bei Erbschaften soll es ja schon jetzt vorkommen, dass ein Erbe sein eigenes schwarzes Sparbuch dem Verstorbenen unterschiebt und von diesem endbesteuert erbt. Übrigens: Die CDU hat es mit einem Teil ihrer Schwarzgelder so ähnlich gemacht. Es dürfte allerdings Obergrenzen geben. Im Finanzministerium ist von "üblichem familiären Ausmass" die Rede. Der Wortlaut des Gesetzes wird abzuwarten sein. Aber Vermögensbesitzer, Rechtsanwälte und Steuerberater sollten sich beizeiten gedanklich auf das Schenkungsfenster einstellen, das sich da den Österreichern auftut. (Schluss) JT

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt
Wirtschaft & Politik
Tel.: (01) 919 19/316

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS