Stopp der Verschwendung bei Medikamenten

GdG will Rückgaberecht für ungeöffnete Medikamente

Wien (GdG/ÖGB). "20 Prozent aller Medikamente werden ungeöffnet weggeworfen. Das entspricht einer Summe von rund 4,6 Milliarden Schilling jährlich", so Dr. Heiner Bartuska, Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG), Hauptgruppe II - Wiener Krankenanstaltenverbund. Bartuska stützt sich in seinen Aussagen auf das Zahlenmaterial verschiedener Untersuchungen der vergangenen 20 Jahre. ++++

"Es ist nicht sinnvoll über Erhöhungen und Selbstbehalte im Gesundheitsbereich zu diskutieren, solange nicht über die unglaublichen Verschwendungen auf dem Medikamenten-Sektor gesprochen wird", betont Bartuska. Die Hauptgruppe II - Wiener Krankenanstaltenverbund in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG), Vertreterin aller Gesundheitsberufe hat zwei Resolutionen an die Krankenkassen beschlossen.

Resolution der HG II an die Krankenkassen!

Die Hauptgruppe II der GdG (Vertreten sind alle Gesundheitsberufe) wendet sich entschieden gegen jede weitere Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge. Zuerst müsse der ernsthafte Versuch zur Nutzung der Einsparungen bei Medikamenten klar erkennbar unternommen werden.

Problem Verschwendung von Kassenbudget:

Wissenschaftlich unbestritten sei, dass mindestens 20 Prozent der Medikamentenpackungen ungeöffnet weggeworfen werden. Das sind von 20 Milliarden S der Medikamentenkosten 1998, jährlich vier Milliarden, für die dann noch Entsorgungskosten der EBS anfallen. Dazu komme noch der volkswirtschaftliche Schaden von mindestens drei Milliarden, die die Patienten über den Selbstbehalt von 45 S pro Packung bezahlen müssen.

Die Summe von sieben Milliarden jährlich geht dem Gesundheitswesen verloren und nützt lediglich Apothekenbesitzern und Pharmafirmen.

Ursachen des Systemfehlers:

Den Patienten werden die Informationen der Beipacktexte von Ärzten (Zeitknappheit) und Apothekern bis nach der Bezahlung durch Krankenkasse und Selbstbehalt systemimmanent vorenthalten.

Da die Patienten erst zu Hause den Text lesen können, entscheiden sie erst dann, welche Medikamente sie nehmen und welche nicht. Da gibt es aber keine Kommunikation mehr mit dem Arzt oder Apotheker. Die Patienten nehmen die Medikamente, die ihnen risikoloser erscheinen und heben die riskanter erscheinenden für den Fall der Verschlechterung auf.

Patienten haben daher keine Möglichkeit mehr zu sparen, oder mit dem Arzt zu sprechen, welche Medikamente sie bei verbesserter Aufklärung doch nehmen würden.

Jeder Appell an die Sparsamkeit muss logischerweise unnütz sein, solange dieses System unverändert bleibt.

Ziel müsse es sein Einsparungen unnützer Kosten und Verbesserung der Kompliance. Da die Verschreibungspraxis der Ärzte sinnvollerweise nicht eingeschränkt werden könne, kann nur die ohnehin vorhandene Eigenentscheidung (80 Prozent der Medikamente werden anders genommen als verordnet) für die Rückmeldung an den Arzt gelenkt werden und damit zu einer Korrektur der sinnvolleren Verschreibung bzw. der sinnvolleren Einnahme führen.

Lösungsmöglichkeiten mit automatischem Einsparungseffekten (Der Eigennutzen der Patienten muss dazu genützt werden):

Gesetzliche Ermöglichung ungeöffnete Medikamentenpackungen innerhalb von 14 Tagen in der Apotheke zurückzugeben. Oder:

Gesetzliche Vorschrift, dass alle Beipacktexte in der Apotheke aufzuliegen haben, sodass die Patienten sich informieren können, bevor die Krankenkasse und sie selbst unwiderruflich bezahlen müssen. Die Patienten können dann die Medikamente kaufen und den Kauf anderer noch 14 Tage aufschieben (derzeitige Geltungsdauer ist ok).

Verfügbarkeit der Information erhöhen durch Bereitstellung der Beipacktexte im Internet. Damit hätten ca. 33 Prozent der Patienten mit Internetanschluss die Information.

Weitere Vorteile:

Diese Einsparungen haben nicht nur den Vorteil einer Automatik, sondern auch den Vorteil, die reale Versorgung nicht zu beschränken, sondern sogar noch zu verbessern. Die Verbesserung der Kompliance kann nur über eine Einbeziehung der Patienten und Verbesserung der Kommunikation vom Patienten zum Arzt ermöglicht werden. Dadurch könnte der Arzt eine bessere Aufklärung leisten.
Erst durch die Information bekommt der Patient eine Chance seine Eigenverantwortung zu seinem und dem Allgemeinvorteil zu nutzen.

Ein weiterer Vorteil sind geringere Entsorgungskosten und eine geringere Umweltbelastung.

Die Budgets der Krankenkassen würden entlastet und sinnvolle Therapien wie Hauskrankenpflege, Psychotherapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Ernährungsberatung und Massage könnten so bezahlt werden, dass sie auch genutzt werden können, was derzeit zum Großteil nicht der Fall ist.

Diese Therapien wirken sich wiederum medikamentensparend aus!

Diese Therapien haben auch noch den Systemvorteil gegenüber den Medikamenten, dass sie schon bisher nicht bezahlt werden, wenn sie nicht genutzt werden.

Diese Therapien haben den weiteren Vorteil, dass sie rehabilitativ und erzieherisch wirksam sind, hin zu mehr Selbstständigkeit und Selbstverantwortung in Gesundheitsfragen anleiten. Bei den Medikamenten hingegen ist sogar das Gegenteil davon, die Wirkung der Passivierung und des Abhängigmachens zu beobachten.

Nachteile und mögliche Einsprüche:

Pharmafirmen und Apotheken müssten massive Umsatzrückgänge befürchten!

Ärzte argumentieren häufig mit der Gefahr, dass Medikamente vergiftet zurückgegeben werden könnten. Die Darstellung dieser Möglichkeit ist unrealistisch und unwissenschaftlich, da bis jetzt in der gesamten Literatur kein solcher Fall gefunden werden konnte.

Keine weiteren Nachteile erkennbar.

ÖGB, 2. März 2000 Nr. 113

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