WirtschaftsBlatt über Proporz: Es geht um Transparenz, nicht um Personen von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - Die momentane Aufregung um den Kampf von
Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegen das rot-schwarze Proporzsystem in der ÖIAG zielt am Wesentlichen vorbei. Es geht nicht darum, welchen roten Führungskräften Grasser jetzt an die Gurgel will. Entscheidend ist vielmehr, ob und wie künftig bei der Bestellung von Chefposten jene Transparenz herrscht, die es plausibel erscheinen lässt, warum gerade der und nicht ein anderer den Job bekommen soll. Denn die Ausschreibung für einen Top-Posten in einem staatsnahen Unternehmen ist oft nicht das Papier wert, auf dem sie steht. Die Sieger werden von den Politikern in einer Art Hinterhoftreppendiplomatie lange vor der Entscheidung fixiert. Die Manager erfüllen dabei die Funktion von Schachfiguren, die Macht und Einfluss der Parteien in den staatsnahen Betrieben sichern sollen. Beispiele dafür gibt es aus der jüngsten Vergangenheit genug. Die Bestellung der ÖIAG-Chefs Streicher und Ditz etwa war mehr als peinlich. Noch bevor die Jobs ausgeschrieben wurden, stritt kaum noch ein Spitzenpolitiker ab, dass die beiden Ex-Minister das Rennen so gut wie gewonnen hatten. Beinahe skurril mutete dann das Theater um die Österreich Werbung an. Dort kreierte ein schwarzer Wirtschaftsminister für einen schwarzen Hoteldirektor einen zusätzlichen Führungsposten, um dem vorhandenen roten Chef eins auszuwischen. Solche Beispiele sind nicht nur Wasser auf den Mühlen populistischer Proporzjäger, sondern schaden auch den gewählten Führungskräften. Können sie sich doch nie vom Verdacht befreien, nur auf Grund ihrer Parteifärbung und nicht durch ihre Leistung Karriere gemacht zu haben. Dabei schliessen Können und Parteinähe einander nicht aus, was etwa bei Austria Tabak oder Austrian Airlines ersichtlich ist. Daher ist der Versuch, den Parteienporporz mit allerlei Gesetzesverrenkungen abzuschaffen, der falsche Weg. Denn im Zuge der Globalisierung zählt nicht länger, ob ein Manager rot, blau oder sonstwas ist. Was zählt, ist schlichtweg die Leistung. Den internationalen Partnern österreichischer Konzerne ist es egal, welcher Manager hier zu Lande welches Parteibuch besitzt. Aber die Qualität der Produkte muss stimmen. Bleibt nur die Frage, ob die verantwortlichen Politiker das auch begreifen. (Schluss) wu

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